Mischen auf dem Blatt – wenn der Zufall mitmalt

Schluss mit Zufall beim Mischen! 🎨
Noch 2 Plätze frei in Zürich. Lerne, warum Farben funktionieren – oder eben nicht. Dieses Wissen begleitet dich bei jedem Bild.

Aktuelle Kurse mit Tine Klein

 

Tine Klein Scheune Baselland – mit dem Velo entdeckt.

Ich mag Victoria Prishedko sehr. Sie ist die Königin der fließenden Farben und der Mischungen auf dem Blatt.

Viktoria Prischedko sagt: „Wenn eine Mischung auf der Palette nicht sofort klappt und du zu lange rühren musst, dann wirf sie weg!“

Das ist natürlich krass! Und vermutlich ist es auch ein bisschen überspitzt.

Aber hinter diesem Satz steckt eine wichtige Beobachtung. Einerseits liegt das Problem sicher an zu vielen Pigmenten. Je mehr unterschiedliche Pigmente wir miteinander vermischen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich gegenseitig neutralisieren.

Die Mischung verliert ihre Leuchtkraft und wird stumpf.

Andererseits könnte Prischedkos Meinung noch einen ganz anderen Grund haben: Gut verrührte Farbmischungen sind absolut homogen.

Das heißt, sie sind perfekt – vielleicht sogar zu perfekt.

Ein Blaugrün, das auf der Palette gründlich verrührt wurde, ist überall dasselbe Blaugrün. Auf dem Papier passiert nichts mehr. Die Farbe ist fertig.

Doch gerade diese Gleichförmigkeit kann einem Aquarell Lebendigkeit nehmen.

Denn eine unfertige Mischung wäre Blau, Gelb und Grün. Das ist einfach viel mehr.

Warum liebt unser Auge Abwechslung?

Unser Auge ist neugierig.

Gleichförmige Flächen erfassen wir erstaunlich schnell – und dann verlieren wir das Interesse. Kleine Veränderungen dagegen halten unsere Wahrnehmung wach. Ein Grün, das an einer Stelle etwas gelblicher und warm, an einer anderen etwas blauer und kühl ist, bietet dem Auge ständig neue kleine Reize.

Besonders reizvoll ist der Wechsel zwischen warm und kalt.

Schau dir einmal an, was ich meine. In meinem Bild sind die Bäume im Hintergrund in einer blassen, türkisen Farbe gemalt. Dennoch trennt sich die Farbe: An einigen Stellen erscheint ein warmes Gelb, während der Löwenanteil Türkis ist.

Das Interessante dabei:

Wir brauchen dafür gar keine großen Farbunterschiede.

Schon kleine Schwankungen innerhalb einer Farbfamilie lassen eine Fläche lebendig erscheinen. Genau deshalb wirken manche Aquarelle so wunderbar selbstverständlich und andere trotz technisch perfekter Ausführung ein wenig steril.

Nach der Arbeit: Murten Ch im Abendlicht

Schau mal, wie hier die Gelb- und Rosatöne in den Hauswänden wechseln.

 

Palette oder Papier – wo soll die Mischung entstehen?

Beides hat seine Berechtigung.

Das Mischen auf der Palette gibt Sicherheit. Ich kann meine Wunschfarbe kontrollieren, ihre Helligkeit prüfen und größere Mengen eines bestimmten Farbtons vorbereiten. Das ist besonders hilfreich, wenn ich eine ruhige, zusammenhängende Fläche brauche. Ein Himmel, eine große Schattenfläche oder eine Lasur profitieren häufig davon.

Wer Probleme hat, schnell zu arbeiten, und wem die Farbe zu schnell wegtrocknet, der sollte auf jeden Fall einige Farben auf der Palette mischen. Denn das verschafft einem enorm viel zusätzliche Zeit, weil man nicht jedes Mal während des Malens neu mischen muss.

Ein gestresster Maler ist schließlich kein guter Maler.

 

Der Nachteil: Je länger ich rühre, desto gleichförmiger wird die Mischung. Außerdem steigt bei komplizierten Mischungen die Gefahr, dass immer mehr Pigmente zusammenkommen und die Farbe stumpf wird.

Beim Mischen auf dem Blatt passiert etwas völlig anderes.

Hier setze ich beispielsweise zuerst Gelb und lasse Blau hineinlaufen. Beide Farben vermischen sich – aber eben nicht überall gleich. An einer Stelle bleibt mehr Gelb stehen, an einer anderen entsteht Grün, daneben schimmert vielleicht noch reines Blau.

Das Ergebnis ist weniger kontrollierbar, dafür wesentlich lebendiger.

Die Palette schenkt uns Kontrolle. Das Papier schenkt uns Variation.

Und ein gutes Aquarell braucht meistens beides.

Die glücklichen Unfälle

Ich liebe diese kleinen „Unfälle“ beim Aquarellieren. Eine Farbe läuft ein paar Millimeter weiter als geplant. Zwei Pigmente treffen sich und bilden plötzlich einen wunderschönen Rand. Ein Blau schiebt sich ins Braun und erzeugt genau dort ein kühles Grau, wo ich es niemals bewusst hingemischt hätte.

Das sind keine Fehler. Das sind Angebote.

Es regnet in Girona: Aquarell Tine Klein

Natürlich geht dabei gelegentlich etwas schief. Aber genau darin steckt ein Teil der Kreativität des Aquarells. Wenn wir jede Mischung vorher auf der Palette vollständig kontrollieren, bekommen wir vor allem das, was wir bereits kennen. Beim Mischen auf dem Papier kann dagegen etwas entstehen, auf das wir selbst nicht gekommen wären.

Der Zufall wird zum Mitarbeiter.

Man muss ihm allerdings erlauben mitzuarbeiten – und gleichzeitig wissen, wann man ihn wieder stoppen sollte.

Was muss man beim Mischen auf dem Blatt beachten?

Die wichtigste Regel lautet: Wasser entscheidet darüber, wie stark sich Farben miteinander vermischen.

Treffen zwei sehr nasse Farben aufeinander, vermischen sie sich kräftig. Liegt eine Farbe bereits etwas ruhiger auf dem Papier und kommt eine zweite, konzentriertere Farbe hinzu, bleibt diese stärker an ihrem Platz.

Deshalb ist das Mischen auf dem Blatt keine vollkommen unkontrollierte Technik.

Im Gegenteil: Mit zunehmender Erfahrung steuern wir über Feuchtigkeit, Pigmentmenge und Timing, wie viel Zufall wir zulassen.

Mein Tipp: Benutze immer das gleiche Papier, denn wer mit feuchten Techniken arbeitet, braucht ein gutes Timing. Das Papier ist dabei von entscheidender Bedeutung.

Früher hieß es immer, man brauche unbedingt Baumwollpapier. Aber es gibt auch gute heißgepresste Papiere, auf denen diese Technik tadellos funktioniert. Wichtig ist, dass du nicht zu dünnem oder ganz billigem Papier greifst. Denn hier kann ich dir garantieren, dass die Technik nicht funktioniert:

Das Papier wellt sich brutal, und damit wird die Feuchtigkeit unkontrollierbar.

Von hell nach dunkel – und vom Nassen zum Trockeneren

Beim klassischen Aquarell arbeiten wir häufig von hell nach dunkel. In den ersten hellen Lasuren dürfen Farben großzügig ineinanderlaufen – vorausgesetzt, diese Mischung ist erwünscht.

Diese Technik siehst du bei den Bäumen im Hintergrund und bei dem großen Baum rechts. Die Farben dürfen hier einfach ineinanderfließen. Man setzt immer dunklere Farben in die feuchten, helleren Farben.

 

Doch was passiert, wenn ich nur noch wenig Mischung möchte?

Dann muss sich die Arbeitsweise verändern.

Je dunkler wir werden, desto trockener sollte der Pinsel im Verhältnis zum Papier werden.

Gleichzeitig brauchen wir mehr Pigment. Der Pinsel wird also nicht mit dünner, wässriger Farbe gefüllt, sondern mit einer konzentrierten, pigmentreichen Mischung.

Auch diese Technik siehst du im Baum rechts. Die dunkle Farbe fließt sehr sämig in die hellere Farbe. Sie muss dabei richtig mit Pigmenten gesättigt sein, denn sonst entsteht in der Feuchtigkeit keine ausreichende Dunkelheit.

Das ist entscheidend beim Mischen auf dem Blatt:

Setzen wir eine sehr wässrige dunkle Farbe in eine feuchte Fläche, breitet sie sich unkontrolliert aus.

Die Dunkelheit verliert ihre Kraft und überschwemmt womöglich genau die schönen Farbunterschiede, die wir vorher geschaffen haben.

Mit zunehmender Dunkelheit heißt es deshalb: weniger Wasser, mehr Pigment und genaueres Timing.

So entsteht ein wunderbares Wechselspiel. Am Anfang dürfen die hellen Farben miteinander tanzen. Später setzen die dunkleren Töne Grenzen, Akzente und Struktur.

Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit: Eine Dunkelheit wird von einer hellen, leuchtenden Farbe überschwemmt, dabei wird die dunklere Farbe leicht angelöst. Der Effekt ist wunderbar. Das siehst du sehr schön in der großen gelben Fläche. Die helle, leuchtende Farbe fließt über die bereits gemalte Dunkelheit und löst sie dabei leicht an. So entstehen ganz von selbst weiche, unregelmäßige Schatten.

Tine Klein Aquarell Baselland. Tutorial Aquarell, Mischen auf dem Blatt

Und vielleicht ist genau das der eigentliche Reiz des Mischens auf dem Blatt: Wir bestimmen die Farben – aber wir schreiben ihnen nicht jeden Schritt vor.

Ein bisschen Freiheit sollte man dem Aquarell schon lassen.

Liebe Grüße Tine

Du spendest nicht für mich. Du förderst deine eigene Kultur.
Kultur braucht Budget – und wir sind dringend auf dich angewiesen.


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Die Sprühflasche im Aquarell – unverzichtbar!

Die Sprühflasche im Aquarell – klein, günstig und erstaunlich wichtig

Tutorial Tine Klein Sprühflasche im Aquarell

ei uns reißt das Thermometer inzwischen regelmäßig die 40-Grad-Marke. Für Aquarellmaler bedeutet das: Das Papier trocknet oft schneller, als man den Pinsel zur Hand nehmen kann. Gerade die Nass-in-Nass-Technik wird dadurch zu einer echten Herausforderung. Was im Frühjahr noch entspannt funktioniert hat, verlangt im Hochsommer plötzlich deutlich mehr Tempo.

Zum Glück gibt es ein Hilfsmittel, das kaum Platz in der Malkiste braucht und trotzdem einen enormen Unterschied macht: die Sprühflasche.

Sie kostet fast nichts, verlängert das ideale Feuchtigkeitsfenster und sorgt dafür, dass man auch an heißen Tagen ruhig und kontrolliert arbeiten kann. Für mich gehört sie deshalb inzwischen genauso selbstverständlich zur Grundausstattung wie Pinsel und Farben.

Statt gegen die Hitze anzumalen, lässt sich die Feuchtigkeit des Papiers gezielt steuern. Das macht das Malen nicht nur einfacher, sondern oft auch deutlich entspannter.

 

Warum überhaupt eine Sprühflasche?

Viele glauben, eine Nass-in-Nass-Technik bedeute einfach nur: möglichst viel Wasser. Das Gegenteil ist der Fall.

Entscheidend ist eine gleichmäßig feuchte Oberfläche.

Genau dabei hilft die Sprühflasche.

Mit einem feinen Sprühnebel lässt sich eine Lasur länger im idealen Feuchtigkeitsbereich halten. Man gewinnt Zeit, kann ruhiger arbeiten und muss nicht ständig neues Wasser mit dem Pinsel auftragen. Gerade große Himmel, Wasserflächen oder weiche Landschaften gelingen dadurch wesentlich entspannter.

Ein weiterer Vorteil: Das Papier trocknet gleichmäßiger.

Das Geheimnis eines gelungenen Aquarells ist oft erstaunlich unspektakulär:

ausreichend Wasser.

Nur wenn genügend Feuchtigkeit vorhanden ist, können sich die Pigmente gleichmäßig verteilen. Fehlt Wasser, wird das Aquarell schnell strichig, schmierig und verliert seine Leichtigkeit.

Die Sprühflasche ist im Aquarell unverzichtbar. Sie hält Papier und Farben feucht und macht das Malen deutlich entspannter.

Text zum Bild: Die Woche war es im Gellertpark  (Basel) ganz schön heiß – und trotzdem wunderschön. ☀️ Ich saß im strohtrockenen Gras und war fasziniert vom Kontrast zwischen dem verbrannten Gelb der Wiese, den violetten Schatten und den dunklen Bäumen. Die Halme wiegten sich sanft im Wind, während ich malte. Wegen der Hitze wurde es zwar nur ein schnelles Aquarell, aber manchmal haben gerade diese flüchtigen Momente ihren ganz eigenen Zauber. Liebe Grüße Tine

So wird richtig gesprüht

Die Sprühflasche ersetzt den Pinsel nicht – sie ergänzt ihn.

Gehalten wird sie etwa 30 bis 50 Zentimeter über dem Papier. Der Sprühstrahl sollte nicht direkt auf die Malfläche treffen – schließlich möchte man das Aquarell nicht erschießen. Lieber etwas in die Luft sprühen, sodass das Wasser wie ein feiner Nebel sanft auf das Papier rieselt.

Wichtig ist, nicht lange auf eine Stelle zu halten. Stattdessen wird mit einer fließenden Bewegung über das Papier gesprüht.

Lieber zwei bis drei feine Sprühstöße als einen kräftigen Wasserregen.

Das Ziel ist kein nasses Papier mit Tropfen, sondern ein gleichmäßiger, feiner Feuchtigkeitsfilm. Das Papier soll sanft glänzen, ohne dass sich Pfützen bilden.

Also: Weniger ist mehr! Dafür aber regelmäßig sprühen.

Ich beobachte dabei immer den Glanz der Oberfläche. Wird das Papier matt, genügt oft schon ein kurzer Sprühstoß, um wieder das ideale Zeitfenster für weiche Verläufe zu erreichen.

Die richtige Sprühflasche

Ist wirlich Problematisch!

 

Die meisten Sprühflaschen aus dem Kunstbedarf erzeugen einen relativ groben Wasserstrahl. Statt eines feinen Nebels landen einzelne große Tropfen auf dem Papier. Genau diese Tropfen können Blüten, Flecken oder harte Ränder verursachen.

Ich kann mir das nur so erklären, dass diese Sprühflaschen von Menschen eingekauft werden, die selbst kein Aquarell malen.

Sehr viel besser funktionieren Pumpzerstäuber aus der Haarpflege. Sie erzeugen einen unglaublich feinen, gleichmäßigen Nebel. Viele Friseure verwenden sie täglich, und genau diese Qualität macht sie auch für Aquarellmaler interessant.

Einfach das Badezimmer plündern!

Wer größere Formate malt, kann zu den großen, einstellbaren Sprühflaschen aus dem Friseurbedarf greifen. Dort lässt sich häufig regulieren, ob ein sehr feiner Nebel oder ein etwas kräftigerer Sprühstrahl gewünscht wird. Für großformatige Landschaften oder Himmel ist das äußerst praktisch.

Doch diese Sprühflaschen haben einen deutlichen Nachteil: Sie sind oft erstaunlich grob. Der Wasserstrahl ist so kräftig, dass man damit ein Aquarell regelrecht wegschießen kann.

Gezielt eingesetzt, kann dieser Effekt großartig aussehen.

Trifft der Wasserstrahl allerdings empfindliche Stellen im Aquarell, ist das Bild schnell ruiniert.

Zum Glück lässt sich der Sprühstrahl bei vielen Modellen einstellen. Mit etwas Übung und genügend Abstand zum Papier entsteht dennoch ein feiner Nebel, der sich gut zum Nachbefeuchten eignet.

Die kräftige Einstellung hat allerdings ebenfalls ihren Reiz. Mit ihr kann man große Tropfen über das Papier fliegen lassen. In farbigen Lasuren können dadurch lebendige, spannende Strukturen entstehen. Diese Technik verlangt allerdings etwas Erfahrung. Bis man sie beherrscht, wird man vermutlich die eine oder andere Lasur opfern müssen.

Ein bisschen Zerstörung inklusive.

Doch genau daraus lernt man, wie Wasser im Aquarell wirklich funktioniert.

Ein kleiner Helfer mit großer Wirkung

Die Sprühflasche gehört für mich inzwischen zur Grundausstattung – genau wie Pinsel und Farben.

Sie verlängert das Zeitfenster beim Nass-in-Nass-Malen, sorgt für gleichmäßig feuchte Lasuren und gibt deutlich mehr Kontrolle. Gerade Anfänger profitieren davon, weil sie nicht gegen die Uhr arbeiten müssen.

Und noch ein kleiner Sommertipp zum Schluss: Wenn die Temperaturen wieder Richtung 35 Grad klettern, bekommt bei mir nicht nur das Aquarell einen feinen Sprühnebel. Ich selbst liebe es, mir mit der Sprühflasche eine kleine Abkühlung zu verpassen! Malerin und Farbe arbeiten dann deutlich entspannter.

Aber es gibt noch einen dritten im Bunde, der sich über zwei oder drei kräftige Sprühstöße besonders freut: die Aquarellfarbe.

Bei großer Hitze trocknet sie im Farbkasten oder auf der Palette erstaunlich schnell aus. Dadurch wird es schwieriger, genügend Pigmente aufzunehmen. Die Farben wirken blasser, und leuchtende Lasuren gelingen nicht mehr so leicht.

Deshalb bekommen bei mir nicht nur das Papier, sondern auch der Farbkasten regelmäßig eine kleine Dusche.

Liebe Grüße
Tine

Ohne dich geht es nicht.

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Wasser malen: So verändert sich Wasser in der Entfernung.

Heute darf ich euch eine schöne Ankündigung machen: Im Herbstkurs geht es um das Malen von Wasser – und das ist ein spannendes Thema!

Denn Wasser ist eben nicht einfach nur Wasser!

Aber zuerst kommt noch ein richtig wichtiger Kurs in Zürich!

Tolle Farben sind kein Zufall. Wer Farben sicher mischen kann, malt entspannter, freier und mit deutlich mehr Freude. Ich freue mich auf euch!

https://blog.herz-der-kunst.ch/aktuelle-kurse-tine-klein/

Das Raffinierte an Wasser ist, dass es immer anders aussieht. Nicht nur die Farbe wechselt, sondern auch die Oberfläche und die Art, wie wir es sehen!

Aber keine Angst, Wasser zu malen ist nicht schwer, wenn man gelernt hat, genussvoll zu beobachten und das passende Rüstzeug hat. Und dies werde ich euch im Herbst geben.

Heute geht es jedoch um das Thema, wie Wasser in unterschiedlicher Entfernung wirkt.

Tine Klein Tutorial Wasser, Aquarell Bodensee Altnau

Altnau Ch am Bodensee

Wasser in der Entfernung:

Wasser ist in der Entfernung nicht ruhiger oder unbewegter als das Wasser, das vor unseren Füßen an das Ufer schwappt.

Dennoch wirkt Wasser in der Entfernung ruhig und weich. Warum?

In der Entfernung verändert sich unsere Wahrnehmung, alles wird kleiner, auch die Wellen. Die Wellen werden winzige Punkte. Zusätzlich bewegen sich die Wellen ständig und deshalb sieht unser Auge sie unscharf.

Zwischen unseren Augen und dem entfernten Wasser liegt Luft. In dieser Luft befinden sich Feuchtigkeit, Staub und kleinste Partikel. Sie streuen Licht und reduzieren Kontraste.

Wasser wirkt in der Entfernung unscharf und deshalb wirkt das Wasser in der Entfernung viel weicher als das Wasser im Vordergrund.

Wasser malen in der Entfernung:

Oft werden:

  • Farben heller und matter
  • das Wasser verliert seine Kanten, Formen erscheinen weicher, Wellen sind nicht sichtbar

Vielleicht hast du Lust, das mal auf deinem nächsten Spaziergang zu beobachten.

Die Faustregel für das Wasser malen heißt: Je weiter weg, desto weniger Details!

Oft malt unser Kopf Dinge, die wir wissen, obwohl wir sie nicht sehen.

Deshalb sollte man sich vor dem Malen noch einmal bewusst machen:

Wellen haben in der Entfernung nichts zu suchen!

Die passende Technik für Wasser in der Entfernung ist die Lasur! Und Nass-in-Nass-Techniken, die keine harten Kanten erzeugen.

Pinsel: Weiche, runde Pinsel, die das Wasser gut speichern. Für feuchte Lasuren ist Naturhaar gut geeignet.

 

Wasser malen im Mittelgrund – erste Wellen entstehen.

Im Mittelgrund erkennt man das erste Mal die Bewegung des Wassers.

Nun erkennt man zarte Wellenformen. Schatten im Wasser fransen leicht aus.

Manchmal kann man auch Lichtreflexe und Schattenbereiche sehen.

Der wichtigste Merksatz zum Wassermalen im Mittelgrund ist:

Weniger ist mehr!

Oft reicht es, die Spiegelungen leicht zu verwischen. Zarte horizontale Linien zeigen die Bewegung des Wassers. Diese zarte Bewegung kann man durch mehrere Methoden erreichen.

Zwei, drei zarte Linien reichen, um das Wasser anzudeuten.

Man malt das Wasser in schnellen horizontalen Linien mit einem dünnen Pinsel.

Werkzeug:

Oft kann ein synthetischer kleiner Flachpinsel sehr hilfreich sein. Man benutzt nur die Spitze dieses Flachpinsels und zieht kleine horizontale Linien in die Spiegelung. Daraus macht unser Auge Wellen. Diese Technik funktioniert nass, aber auch trocken. Hier wischt man trockene Farbe aus, und die Wellen entstehen durch die Lichter.

Wasser malen auch Perspektive spielt eine Rolle:

Wer zuviel macht erzeugt Flecken!

Wer Wellen ganz regelmässig in ein Wasser setzt, bildet zwar ab was auf dem Wasser wirklich passiert, erzeugt aber ein unnatürliches fleckig hässliches Wasser.

Hinten ist das Wasser Weich. Ererst im Mittelgrund beginnt man Wellen zu sehen, Diese sollte man jedoch Sparsam setzen. Weil Bilder Ruhe brauchen.

Durch Perspektive erscheinen Wellen:

  • weiter hinten klein
  • nach vorne breiter und mit größerem Abstand

Während Wllen hinten nur kleine Linien sind werden sie nach vorne immer größer!

Wasser im Vordergrund – Struktur, Energie und Bewegung

 

Die Großaufnahme von Wasser in der Nähe ist wunderbar! Hier sieht man alles Mögliche: scharfe Wellen, Farben und Schatten. Erst im Vordergrund werden Spiegelungen plastisch!

Nur im Vordergrund sind Spiegelungen von Booten oder Häusern, Bäumen etc. absolut scharf zu sehen. Die Formen werden im Vordergrund härter und schärfer. Auch dunkle Farben kommen bei Schatten und Spiegelungen ins Spiel, denn die Feuchtigkeit in der Luft verwischt diese Formen nicht mehr.

Oft sind die Farben von Spiegelungen trüber als die originalen Farben des Motivs an Land!

Wasser malen mit Aquarell bedeutet, dass die Technik wechselt.

Technik: Wir malen nun Nass auf Trocken – im Hintergrund Nass in Nass weil es weicher ist.

Die gute Nachricht ist, diese Technik ist am leichtesten.

Als Werkzeug sind Pinsel mit guter Spitze geeignet.

Liebe Grüße

Tine

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Wasser malen – Aquarell, das heißt Wasser!

Nass in Nass – Aquarell lernen!

Nass-in-Nass gilt als eine der anspruchsvollsten Techniken im Aquarell. Oft hört man, sie sei nur etwas für Könner. Ich sehe das anders.

Am Anfang wirkt sie kompliziert, weil sie vor allem eines verlangt: gutes Timing.

Und ein Gefühl für das richtige Timing entsteht nicht über Nacht.

Unser Gehirn lernt jedoch erstaunlich gut. Es ist wie eine Kiste voller Legosteine – Stein für Stein, entsteht etwas Neues.

Wie entwickelt man also das nötige Fingerspitzengefühl für die Nass-in-Nass-Technik?

Wissbegierig? Perfekt! Genau für solche Menschen sind meine Kurse gemacht.

Aktuelle Kurse mit Tine Klein

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Dranbleiben! Der Schlüssel zum Erfolg.

Dranbleiben! Der Schlüssel zum Erfolg.

Wer etwas lernen möchte, braucht Übung.

Das klingt banal, ist aber einer der wichtigsten Bausteine beim Malen.

Oft erlebe ich, dass meine Schüler eine Technik im Unterricht wunderbar beherrschen. Sechs Monate später funktioniert sie plötzlich nicht mehr. Warum?

Ganz einfach: Ein einmaliger Erfolg reicht nicht aus. Unser Gehirn muss Bewegungen, Abläufe und Entscheidungen immer wieder wiederholen, damit daraus eine dauerhafte Fähigkeit wird. Erst durch Wiederholung entstehen sichere Verbindungen im Gehirn.

Genau deshalb ist Üben so wichtig.

Nicht stundenlang, sondern kurz und regelmäßig.

Also keine großen Motive, sondern nur zielgerichtet üben, was man braucht.

Keine Verwirrung! Timming braucht stabile Grundlagen:

Wer im Aquarell Fingerspitzengefühl entwickeln möchte, braucht vor allem eines: verlässliche Bedingungen.

Nass in Nass ist eine dieser Techniken, man muss beim Malen merken, wann der richtige Zeitpunkt ist, eine feuchte Farbe in eine feuchte Lasur zu geben.

Dieses Gefühl entsteht jedoch nicht, wenn ständig Papier und Pinsel gewechselt werden.

Stell dir vor, du möchtest Klavierspielen lernen. Nach jeder Übungsstunde werden die Tasten anders angeordnet. Niemand käme auf die Idee, dass man so Fortschritte machen könnte.

Genau das passiert jedoch vielen Aquarellmalern.

Heute ein Papier, morgen ein anderes.

Dann wieder ein neuer Pinsel. Dabei verändert sich jedes Mal, wie viel Wasser gespeichert wird und wie schnell es wieder abgegeben wird.

Wechselst du ständig Papier und Pinsel, werden deine Lernversuche zur Nass in Nass Technik krachend scheitern.

Das Gehirn sucht nach Mustern. Es möchte verstehen: »Wenn ich das tue, passiert jenes.« Bekommt es jedes Mal andere Voraussetzungen, kann es diese Zusammenhänge nicht zuverlässig lernen.

Das richtige Material für Nass in Nass:

Beim Thema Nass in Nass hält sich ein Mythos besonders hartnäckig:

Ohne teures Baumwollpapier gehe gar nichts??

Doch das Material entscheidet nicht darüber, ob die Technik funktioniert – es verändert lediglich das Zeitfenster, in dem sie funktioniert.

Baumwollpapier speichert Wasser länger. Dadurch bleibt die Lasur länger offen,

und du hast mehr Zeit, den richtigen Moment zu erwischen.

Das kann gerade am Anfang angenehm sein. Manchmal wartet man allerdings gefühlt eine Ewigkeit auf genau den richtigen Feuchtigkeitsgrad.

Ein gutes heißgepresstes Papier kann genauso hervorragende Ergebnisse liefern.

Hier läuft die Uhr nur etwas schneller.

Wer das weiß, passt seine Arbeitsweise einfach an.

Wichtiger als der Preis ist deshalb die Qualität. Das Papier sollte stabil sein und mindestens 300 g/m² besitzen. So verhält es sich zuverlässig und gibt dir eine gute Grundlage zum Üben.

Auch der Pinsel spielt eine entscheidende Rolle. Er bestimmt, wie viel Wasser und Farbe tatsächlich auf dem Papier landen.

Deshalb ist der Begriff „Nass in Nass“ eigentlich etwas irreführend. In der Praxis arbeitet man meist mit einer relativ cremigen Farbe in einer feuchten Lasur. Würde beides tropfnass sein, würden die Farben unkontrolliert ineinanderlaufen. Oder anders gesagt: Wenn du Milch in den Kaffee gießt, entsteht kein schönes Bild.

Sanfte Wellen – Nass in Nass mit Fingerspitzengefühl

Sanfte Wellen gehören zu den schönsten Anwendungen der Nass-in-Nass-Technik. Das Geheimnis liegt dabei nicht im Pinselstrich, sondern im richtigen Zeitpunkt.

Zuerst legst du eine gleichmäßige, feuchte Lasur an.

Sie sollte überall denselben Feuchtigkeitsgrad haben. Achte darauf, dass keine Pfützen entstehen und die Oberfläche gleichmäßig glänzt. Ist eine Stelle trockener als die andere, verlaufen die Farben später unterschiedlich.

Preiswerter Tipp: Sprühflaschen für Haarpflegeprodukte erzeugen einen viel feineren Nebel als herkömmliche Wassersprühflaschen. Damit bleibt deine Lasur gleichmäßig feucht. Plündere dein Badezimmer!

Nun beginnt der wichtigste Teil: das Warten.

Beobachte das Papier genau. Direkt nach dem Auftragen ist die Lasur zu nass. Würdest du jetzt die Wellenschatten malen,

würden sie sofort auseinanderlaufen und ihre Form verlieren.

Das Wasser übernimmt die Kontrolle.

Nach kurzer Zeit verändert sich der Glanz. Die Oberfläche glänzt nicht mehr spiegelnd, sondern wirkt seidig. Genau jetzt beginnt das Zeitfenster, in dem die  Nass-in-Nass-Technik gut klappt. Das Papier ist feucht aber nicht nass.

Nimm nun einen Pinsel, der fast cremige Farbe enthält, aber nicht nass ist. Er sollte Farbe enthalten, jedoch nur wenig zusätzliches Wasser. Der Pinsel darf die Lasur nicht erneut fluten.

Die Aufgabe des Pinsels ist es lediglich, Pigmente in den feuchten Farbfilm einzubringen.

Male jetzt mit ruhigen Bewegungen die Wellenschatten. Die Linien dürfen ruhig unregelmäßig sein, denn Wasser bewegt sich niemals mathematisch exakt.

Während du malst, werden die Striche von selbst etwas weicher.

Genau das ist erwünscht. Die feuchte Lasur nimmt die Farbe langsam auf und lässt harte Kanten verschwinden.

Sollten die Striche dagegen scharf stehen bleiben, war das Papier bereits zu trocken.

Dieses Problem entsteht auf heißgepresstem Papier. Also Sprühen!

Verlaufen deine Wellen zügig zu breiten Flecken, war die Lasur noch zu nass.  DIes Passier auf Baumwollpapier oft!Genau zwischen diesen beiden Zuständen liegt der ideale Moment.

Je näher eine Welle am Betrachter liegt, desto kräftiger und kontrastreicher darf ihr Schatten sein. In der Ferne werden die Schatten immer feiner, heller und flacher.

So entsteht ganz von selbst räumliche Tiefe.

Fazit!

Viele glauben, die Nass-in-Nass-Technik sei unberechenbar. Tatsächlich folgt sie klaren Regeln. Das Papier bestimmt den richtigen Zeitpunkt, der Pinsel liefert die passende Farbmenge und Feuchtigkeitsmenge. Du musst lernen, wann beides zusammenpasst.

Genau deshalb ist Nass in Nass weniger eine Frage des Talents als des Beobachtens.

Liebe Grüße Tine

Die neuen Kurse sind da!

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Durch dick und dünn! Pinselgröße im Aquarell

„Kunst ist meine Sprache, Stifte und Pinsel sind meine Rüstung.“ Lord Gibson

Pinselgröße und Strichstärke im Aquarell:

Wer wirklich ausdrucksstarke Bilder schaffen möchte, muss lernen, durch dick und dünn zu gehen

– im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Strichgröße gibt den Ausschlag für die Wirkung eines Aquarellbildes.

Wer mit zu kleinen Pinseln arbeitet, wird nie das lockere und weiche Ergebnis erreichen, das man beim Skizzieren und in der Aquarellmalerei so schätzt.

Wer schnell arbeitet, erzeugt dadurch weiche Übergänge zwischen den Farben. Denn die Geschwindigkeit ermöglicht, dass die Farben verlaufen, und dies gibt dem Bild eine natürliche Leichtigkeit. Diese entsteht durch den Arbeitsprozess. In der ersten Phase des Aquarells arbeitet man mit hellen Farben. Diese Farben sind so hell, dass man sie später vollkommen mühelos übermalen kann. Das heißt, die Formen werden erst in der nächsten Phase des Malens herausgearbeitet, und deshalb erhält der Maler eine enorme Freiheit.

Die erste Phase im Aquarell – der Dicke Pinsel und viel Wasser!

Rund ums Haus wurde mit einem dicken Pinsel gemalt! Das macht es skizzenhafter, es ist ein Spiel mit der Leichtigkeit, so wie es sich jeder Aquarellmaler wünscht. Die Lockerheit entsteht dadurch, dass der Maler mit einem großen Pinsel und viel Wasser einfach loslegt und ohne Angst die ersten Farben des Bildes aufträgt. Der Betrachter bemerkt später, dass hier mit viel Freiheit gearbeitet wurde. Genau das erzeugt den Eindruck von Leichtigkeit, den man am Aquarell so liebt.

Der Effekt der durchs Bild flutenden Farben ist allerdings wunderschön.

Die passenden Pinsel für diese ersten Schritte sind große Lasurpinsel. Ich bevorzuge jedoch Pinsel mit synthetischen Haaren, die einen sehr großen Pinselkopf und gleichzeitig eine feine Spitze besitzen. Diesen Pinseltyp nennt man Manteliner. Die Pinselgröße ist so groß, dass sie einen Lasurpinsel ersetzen kann. Er kann große Mengen Farbe aufnehmen und ermöglicht dadurch großzügige, fließende Pinselstriche. Trotz seiner Größe bleibt die Spitze fein genug, um bei Bedarf auch kleinere Formen anzulegen.

Doch in der ersten Phase haben kleine Details nichts zu suchen.

Hier geht es um großzügige Farbverläufe und wunderbar aquarellige Flächen, die dem Bild von Anfang an Leichtigkeit und Atmosphäre verleihen.

Und so ist die große Pinselgröße oft der ausschlaggebende Faktor für ein lockeres und gelungenes Aquarell.

Beim Pinsel ist es ein Spiel aus groß und klein.

Welche Pinselgröße benötigt man in der ersten Phase des Aquarells?

Der Pinsel muss immer größer sein, als man denkt! Ist ein Pinsel zu klein, entstehen verkrampfte Striche, und er kann nicht genügend Wasser aufnehmen. Der Farbauftrag wird strichig und wenig großzügig. Die Farben müssen locker ineinanderfließen können, damit wunderschöne Farbverläufe und lebendige Farbeffekte entstehen.

Viele meiner Schüler bevorzugen kleine Strichstärken, weil sie sich damit sicherer fühlen. Doch eine kleine Strichstärke gibt dir beim Lasieren nicht mehr Kontrolle. Das Ziel einer Lasur ist ein feuchter, großzügiger Farbauftrag, in dem sich die Farben von selbst miteinander vermischen. Hier ist eine zu starke Kontrolle nicht wirklich sinnvoll. Trotzdem treibt uns die Unsicherheit immer wieder zu kleinen Strichstärken.

In der Regel benutze ich in meinen Skizzenbüchern im Format 30 × 40 cm einen Manteliner (Rundpinsel) der Größe 18. Vorausgesetzt, dieser Pinsel besitzt nicht nur einen großen Pinselkopf, sondern auch eine wunderbar feine Spitze, ist er ein echter Allround-Pinsel, mit dem sich rund 80 Prozent eines Bildes malen lassen.

In der ersten Phase einer Skizze oder eines Aquarells kann man natürlich auch mit Lasurpinseln arbeiten. Diese besitzen ebenfalls einen großen Pinselkopf, bilden jedoch keine feine Spitze aus. Wer auf sehr großen Formaten arbeitet, ist mit einem solchen Pinsel bestens ausgestattet.

Pinselgröße und Pinselart konrollieren!

Zum Glück gibt es einen ganz einfachen Test: Tauche den Pinsel in ein Glas Wasser und drücke ihn anschließend leicht zusammen. Fließt das Wasser regelrecht heraus, dann hältst du einen Lasurpinsel in der Hand. Kommt das Wasser dagegen nur tropfenweise heraus, ist es wahrscheinlich ein normaler Rundpinsel oder ein Manteliner.

Links siehst du einen Mantelliner, rechts einen Lasurpinsel – zum Verwechseln ähnlich!

Ein Pinsel, der sehr viel Wasser und Farbe abgibt, ist für die ersten lockeren Farbverläufe und großzügigen Farbeffekte wunderbar geeignet.

Ein Lasurpinsel hat in der Regel nur eine große, weiche Spitze. Denn er soll die Lasur nicht zerstören, indem er in den Pigmenten herumkratzt. Das heißt, ein Lasurpinsel gleicher Größe ist im feuchten Zustand immer wesentlich breiter als ein normaler Rundpinsel.

Deshalb ist es sehr wichtig zu wissen, mit welcher Art von Pinsel man malt. Ein Lasurpinsel, dessen Spitze nie richtig spitz bleibt und der ständig Wasser abgibt, kann schnell das Gefühl von Kontrollverlust erzeugen. Genau in diesem Moment bekommen viele meiner Schüler Angst – und greifen als Reaktion zu viel zu kleinen Pinseln.

Merke dir deshalb: Der Lasurpinsel ist der Spezialist für die erste Malphase. Hier dürfen die Farben fröhlich durchs Bild fluten und wunderschöne Farbverläufe entstehen. Alternativ eignet sich ein sehr großer Rundpinsel mit einer sehr guten Spitze. Er ist groß genug, dass man mit ihm ebenfalls lasieren kann.

Die kleine Pinselstärke

 

Paradoxerweise greifen viele meiner Schüler bei großen Flächen zu viel zu kleinen Pinseln. Bei den feinen Linien wählen sie dann häufig ebenfalls das falsche Werkzeug. In der Regel greifen sie zu winzigen Rundpinseln.

Lustigerweise greifen meine kleinen Kontrollfreaks hier ausgerechnet zu einem Pinsel, der ihnen überhaupt keine Kontrolle gibt.

Man erwartet von einem kleinen Pinsel, dass er besonders feine und präzise Linien zieht. Doch der Strich wird dadurch nicht fein und gleichmäßig, weil sein Pinselkopf nur wenig Wasser und Farbe aufnehmen kann.

Zunächst ist er zu dick. Nach wenigen Millimetern geht dem Pinsel das Wasser aus, der Strich wird strubbelig und bricht auseinander. Statt eleganter Linien entstehen grobe und unruhige Striche.

Klein heißt nicht automatisch präzise.

Doch in den letzten Jahren sind Pinsel auf den Markt gekommen, die dieses Problem mühelos lösen. Es handelt sich um Detailpinsel, die man Schlepper nennt. Sie besitzen einen außergewöhnlich langen Pinselkopf. Oft sind die Haare bis zu 3,5 Zentimeter lang. Der Pinselkopf ist also extrem schmal und gleichzeitig sehr lang.

Mit einem solchen Pinsel lassen sich feine Linien erstaunlich leicht erzeugen.

Doch Vorsicht: Dieser Pinsel ist nicht dafür gemacht, viele kleine Details mit höchster Präzision ins Bild zu setzen. Seine Stärke liegt woanders. Er eignet sich hervorragend für lange, natürliche Linien – zum Beispiel Äste, Gräser, Drähte oder Masten. Gerade weil der Pinsel so lang ist, entstehen diese Linien fast wie von selbst und wirken lebendig statt verkrampft.

Zum grafischen Arbeiten, zum Schreiben oder zum Ausarbeiten vieler winziger Details ist ein Schlepper dagegen ungeeignet.

Und genau das ist einer seiner größten Vorteile. Viele meiner Schüler haben das Bedürfnis, alles ins Bild zu zeichnen, was sie sehen. Der Schlepper bremst diesen Drang aus. Er lädt dazu ein, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – und genau dadurch entstehen oft die besseren Aquarelle.

Liebe Grüße Tine

Stell dir vor, dieses Wissen wäre plötzlich weg.

Keine Tipps mehr, keine Erfahrungen, keine kleinen Tricks, die einem das Malen leichter machen.

Mit deiner Spende hältst du die Fackel weiter hoch. Du sorgst dafür, dass auch der nächste Mensch Freude am Aquarell entdeckt.

Danke, dass du dieses Wissen bewahrst.


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Weiterlesen bei Tine, mehr Wissen über Pinsel:

https://blog.herz-der-kunst.ch/der-richtige-pinsel-fuers-richtige-ergebnis/

Grün mischen lernen!

In eigener Sache!

Viele Schüler haben den Wunsch geäußert, dass ein Kurs zum Thema Mischen angeboten wird. Kein Wunder – das Mischen von Farben sorgt beim Malen immer wieder für Unsicherheit. Welche Farben passen zusammen? Warum wird die Mischung stumpf? Wie entstehen leuchtende oder natürliche Farbtöne?

Dabei muss das gar nicht kompliziert sein. Wer die Grundlagen versteht, mischt sicherer, gezielter und mit deutlich mehr Freude. Genau darum wird es in diesem Kurs gehen.

https://www.buchbeglinger.ch/veranstaltungen/mischen-ist-kein-zufall-wie-funktioniert-farbe

Tine Klein Aquarell im Blog grün mischen! Schweiz, Genfersee Burg Chillon, Aquarell, Aquarellblog, Watercolor, Watercolor Tutorial.

Es ist heiß! Ich sitze im Schatten, die Tropfen meines Schweißes kullern meinen Körper hinunter und verbinden sich mit dem Genfersee. Der See ist spiegelblank. So ruhig und so heiß, aber die Spiegelungen liegen geschmolzen und still auf dem Wasser.

Gemächlich beginne ich, unzählige Grüntöne zu mischen – von strahlendem Gelbgrün bis zu schlammigem Seegrün …

Grün mischen lernen

Eigentlich hätte ich diesen Artikel gern „Grün mischen lernen mit dem Farbkreis“ genannt, doch bei dem Wort Farbkreis erleiden viele schon vorsorglich den nahen Hirntod. 😉

In jedem Kurs, egal zu welchem Thema, bekomme ich immer wieder Fragen zum Mischen!

  • Warum entsteht nicht die Farbe, die ich erwartet habe?
  • Warum werden meine Farben schmutzig?
  • Welche Farben soll ich wählen?

Diese Fragen zeigen, wie groß die Unsicherheit beim Mischen ist.

Insgesamt sind es etwa 10–15 Fragen, die mir ständig gestellt werden.

Alle beruhen auf Farbtheorie und wirken zunächst kompliziert.

Doch sie sind wie ein Riese, der zu einem Zwerglein schrumpft, wenn man ihm näherkommt.

Kommt man meinen Schülern mit Farbtheorie, fallen viele schon vorausschauend ins Koma!

Dabei ist das totaler Nonsens, denn Wissen macht frei und entspannt.

Viele lernen das Mischen nicht treffsicher, weil sie die Feinheiten des Farbkreises nicht kennen.

Muss ich Farbtheorie wirklich lernen? Die Antwort lautet: Ja!

Die gute Nachricht: Es ist viel einfacher, als die meisten denken.

In vielen Büchern wird Farbtheorie trocken und ohne praktischen Nutzen vermittelt. Dabei ist sie überraschend einfach, wenn man den richtigen Einstieg findet.

Das Ziel ist, völlig frei und sicher mischen zu können.

Doch bevor das gelingt, muss das Wissen erst einmal in den Kopf hinein.

Schauen wir uns das heute einmal am Beispiel von Grün an!

 

Grün mischen!

Ich beantworte hier mal ein paar Fragen zum Grün mischen.

Warum sieht mein Grün künstlich aus?

Die wohl häufigste Frage überhaupt. Viele mischen ein kräftiges Gelb mit einem kräftigen Blau und erhalten ein leuchtendes, fast neonartiges Grün.

Das erinnert eher an Plastikspielzeug als an etwas Natürliches.

 

Hier hilft die Farbtheorie:

Kalte Farbtöne, das sind die Gelbtöne und Blautöne, die auf dem Farbrad dem Grün am nächsten liegen, mischen strahlendes, manchmal fast chemisches Grün!

Zum Beispiel Phthaloblau und Zitronengelb. Warum?

 

 

Die ganze Farbtheorie ist einfach: Je näher eine Farbe im Farbrad an der zu mischenden Farbe liegt, desto klarer das Ergebnis.

Nah im Farbkreis heißt leuchtend!

Sieh mal hier: ein zitronengelbes Grün oben im Baum.

Wie macht man natürliche Grüntöne?

Möchte man natürlichere Grüntöne, hilft wieder ein Blick in den Farbkreis.

Mischt man jeweils eine kalte und eine warme Grundfarbe, dann wird Grün harmonisch.

 

Ultramarin und Zitronengelb bilden ein natürliches sommerliches Grün. Warum?

Das Zitronengelb (kalt) ist ganz nah am Grün. Das warme Blau Ultramarin (warm) ist  weiter weg vom Grün. Dadurch bricht das Grün und ist nicht mehr grell.

Merkst du etwas? Wenn du die Finger wieder auf den Farbkreis legst: Ein Finger ist nah am Grün, einer weiter weg.

Wir haben hier also in Bezug auf Grün eine nahe und eine fernere Farbe! Das heißt, das Grün ist nicht mehr so intensiv, es ist harmonisch.

Merke: Je weiter eine Grundfarbe von der Mischfarbe weg ist, desto gebrochener das Ergebnis!

 

Die wärmeren Grundfarben warmes Gelb und warmes Blau sind weiter weg vom Grün.

Phthaloblau (kalt) und Hansa-Gelb (warm) oder Indischgelb (warm) bilden ebenfalls ein schönes natürliches Grün. (siehe im Bild)

Warum werden meine Grüntöne grau oder matschig?

Ultramarin (warm) liegt dem Grün relativ fern, denn es liegt nahe am Violett.

Viele meiner Schüler mischen ihre Grüntöne mit dem schönen Ultramarin (warm), doch dieses kann nur gedämpfte Grüntöne erzeugen.

Das Gleiche gilt für das warme, fast orange Hansa-Gelb oder Indischgelb.

Sie sind weiter weg vom Grün und erzeugen daher gedämpfte Grüntöne. Z.B. Olivgrün

 

Legst du deine Finger auf den Farbkreis, dann siehst du:

Warmes Blau und warmes Gelb sind sehr weit weg vom Grün.

Weit weg von der Mischfarbe bedeutet: keine Strahlkraft, sehr gedämpft.

Trifft beim Mischen warm auf warm, wird dein Grün müde, herbstlich oder oliv! Je nachdem, wie warm dein Blau und dein Gelb waren, können deine Farben nun ins Olive oder gar Matschige kippen.

Oft werden gekaufte Grüntöne verwendet. Diese Grüntöne sehen ungemischt wunderbar aus. Doch beim Mischen werden sie zur Gefahr.

Alle zu warmen Töne machen Grün matschig, herbstlich und verfallen.

Grün + Rot = Braun oder Grau.

 

Möchte man ein Grün natürlich wirken lassen, dann gibt man ihm kleine Spuren von rötlichen und Naturpigmenten, und so arbeiten auch die Farbhersteller.

Die korrekte Schreibweise lautet:

Rötliche Töne sehen in Bäumen gut und natürlich aus. Schau in den Baum.

Zuviel Rot macht es aber dunkel oder schlammig!

„Aber Vorsicht: Zu viel Rot lässt die Mischung schnell dunkel und schlammig wirken!“

Wenn du mit fertigen Mischfarben mischst, wirst du deshalb oft hässliche Mischfarben erzeugen. Die in den fertigen Farben verborgenen rötlichen Pigmente machen die grünen Farben oft sehr hübsch! Wenn du aber mit ihnen mischst, können sie üble, matschige Mischungen erzeugen. Mal wird es braun, mal grau.

Wie hilfreich der Farbkreis beim Mischen ist!

Wer den Farbkreis nicht kennt, kann keine Grüntöne in aller Vielfalt mischen.

Nun noch ein paar Fragen, die ich häufig höre:

Welche Grüntöne soll ich kaufen? Gar keine!!!

4 Farben helfen dir, die ganze Bandbreite von Grün zu erzeugen!

Bild!

Schau mal in das Bild, dort finden wir alle Grüntöne. Die strahlenden, harmonischen und sehr dunklen im Baum. Die grauen und matschigen im Wasser. Alles, was man braucht, sind diese 4 Grundfarben.

  • Zitronengelb (kalt)
  • Indischgelb (warm)
  • Phthaloblau (kalt)
  • Ultramarin (warm)

Deine Grüntöne werden alles können, von strahlend grell bis gebrochen und herbstlich. Wichtig ist, dass man die Farben untereinander kombiniert.

Schau mal in das Bild, dort finden wir alle Grüntöne. Die strahlenden, harmonischen und sehr dunklen im Baum. Die grauen und matschigen im Wasser. Alles, was man braucht, sind diese 4 Grundfarben.

Nur bei den ganz dunklen Grüntönen reicht dies nicht.

Wie erzeuge ich dunkle Grüntöne?

Schau dir an, wie dunkel die Bäume sind.

Darf ich Schwarz benutzen?

Natürlich darfst du Schwarz benutzen! Dann sieht es halt Scheiße aus!

Fertiges Schwarz ist wieder eine Wundertüte an Pigmenten. Du weißt nicht, was bei den Mischungen herauskommt: dreckiges Grau, schmutziges Braun oder dreckiges Grün?

Fertig gemischtes Schwarz ist wie Heroin vom Dealer an der Ecke – man weiß nie, was drin ist. Gut tut es Bildern jedenfalls nicht!

Schlauer ist es, den Farbkreis zu benutzen!

Zuerst einmal ist es am einfachsten, mehr Blau als Gelb zu benutzen. So wird das gemischte Grün automatisch dunkel.

Doch dies reicht nicht! Das Grün ist nicht dunkel genug!

Jetzt gibt es den Trick mit der Komplementärfarbe. Rötliche Töne lassen die Wellenlängen des Grüns strahlen, weil sie komplementär sind. Andererseits bilden Komplementärfarben starke Dunkelheiten!

Dieser Baum wurde mit Lila und Siena natur dunkler gemischt.

Verstehst du nichts mehr, ist es sinnvoll, den Blog über Komplementärfarben zu lesen!

https://blog.herz-der-kunst.ch/komplementaere-farben-auf-leisen-pfoten/

Also ist der Trick, rötliche Töne zu der Grünmischung zu geben.

Das hat 2 Effekte: Bleiben Spritzer von Rot stehen, leuchtet das Grün schön.

Ohne das Pink würde das Bild langweilig wirken. Gleichzeitig sorgt es beim Mischen dafür, dass das Grün dunkler wird.

 

Verbindet sich der rötliche Ton mit der Mischung, wird die Farbe dunkel!

Die Mischung ist zum Beispiel:

Ultramarin + Gelb = Grün

Ultramarin + gebranntes Siena = Dunkelheit

Ultramarin + Gelb + gebranntes Siena = dunkles Grün

„Der Farbkreis ist wie ein Kompass für alle, die Farben mischen.

Ganz gleich, ob du ein natürliches Grün, ein leuchtendes Orange oder einen stimmungsvollen Schatten suchst: Die Lösung findest du meist nicht in Rezepten, nicht in fertigen Farben, sondern in den Beziehungen der Farben auf dem Farbkreis.“

Farbtheorie hat ein kleines Imageproblem.

Der Name klingt nach Schulunterricht, dicken Büchern und komplizierten Regeln. In Wirklichkeit sitzen wir aber vor bunten Farben, mischen, experimentieren und staunen. Sobald der Farbkreis auf dem Tisch liegt, wird vieles plötzlich logisch. Fast jede Frage zum Mischen lässt sich beantworten. Und ehe du dich versiehst, entwickelst du ein Gespür für Farben. Nicht durch Auswendiglernen, sondern durch Verstehen. Genau deshalb macht Farbtheorie deutlich mehr Spaß, als ihr Ruf vermuten lässt.

Möchtest du lernen, wie das funktioniert – und dabei noch Spaß haben? Dann komm in meinen Kurs! 😊

https://www.buchbeglinger.ch/veranstaltungen/mischen-ist-kein-zufall-wie-funktioniert-farbe

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Die grüne Falle: Warum Bäume malen so schwer ist.

Wie ihr schon mitbekommen habt, war ich im Urlaub, und es gibt nichts Herrlicheres, als die Düfte der Natur tief einzusaugen und ein kleines, einfaches Landschaftsmotiv zu malen.

Ein paar Büsche, einige Bäume, eine Wiese. Nichts Spektakuläres.

Doch nach den ersten Pinselstrichen wurde mir wieder bewusst, warum natürliche Vegetation zu den schwierigsten Motiven überhaupt gehört.

Der Grund ist verblüffend einfach: Alles ist grün.

Unser Gehirn erkennt sofort einen Baum als Baum oder eine Wiese als Wiese. Es sortiert automatisch Formen, Tiefen und Lichtverhältnisse.

Und klar, hier im Grünen zu sitzen ist super und wunderschön!

Sobald wir aber versuchen, das Ganze auf Papier zu bringen, merken wir, dass wir plötzlich vor einer riesigen grünen Masse sitzen.

Und das, was wir auf das Papier bringen, ist nicht mehr so wunderschön.

Und nun wird das vermeintlich einfache Bäume-Malen zum Problem.

Doch das ist nicht nötig. Ein paar einfache Tricks helfen. Was wir tun müssen, ist im Kopf ein wenig zu sortieren, bevor wir mit dem Malen beginnen.

Bäume malen: Grün muss abwechslungsreich sein

Oft versuchen meine Schüler es mit fertig gemischten Grüntönen. Die Farbe ist wunderbar. Und warum klappt es dann nicht?

Na, das Grün ist einfach nur grün!

Der Baum wird langweilig und undefiniert!

Ein Baum besteht nicht aus einem Grün. Er besteht aus Hunderten von Grüntönen. Kühles Grün im Schatten. Warmes Grün im Sonnenlicht. Gelbliche Blätter an den Spitzen.

Was Grün wirklich interessant macht, ist das volle Ausschöpfen des Spektrums zwischen Dunkelblau, fast Violett, über alle Grüntöne bis hin in zartes Gelb.

Dies ist besonders wichtig, wenn wir es mit vielen unterschiedlichen Bäumen und Büschen zu tun haben, denn die Vielfalt der Grüntöne ist unsere stärkste Waffe gegen die Langeweile!

Aber das wichtigste ist:

In der Malerei muss man oft mit der Farbe arbeiten, um Motivanteile sauber voneinander zu trennen. Malt man Grün auf Grün in sehr ähnlichen Grüntönen, wird das Motiv unübersichtlich und langweilig.

Gestaltet man einzelne Motivanteile jedoch farblich anders, trennen sie sich deutlich voneinander und das Bild wird sofort einfacher zu malen.

Nur durch die Vielfalt wird man einem natürlichen Baum gerecht, denn er hat grüne Blattflächen im Licht und Äste im Schatten und dunkle Löcher. Deshalb brauchen wir das volle Programm an Grün-, Blau-, Gelb- und Brauntönen, um der Natur gerecht zu werden.

Das Problem ist, dass unser Verstand ständig vereinfacht.

Er sagt: Bäume malen, das macht man in Grün!

Und da sollen wir mit zwei fertigen Grüntönen auskommen? Pustekuchen!

Deshalb muss der Maler lernen zu sehen, wie er die Kontraste aus dem Grün herauskitzelt.

Oft wird gesagt, dass man einfach nur hingucken muss. Aber das stimmt nicht.

Ein Maler muss immer auf der Jagd sein nach den stärksten Kontrasten! Ein Maler darf die Kontraste zuspitzen!   Was passiert, wenn der Baum plötzlich einen Lichtstrahl bekommt? Dieses kurze Aufglühen macht ein Motiv lebendig!Oft muss man übertreiben, bis es kracht!

Warum?

Besonders im Aquarell wird die Farbe beim Trocknen schwächer!

Wenn du das malst, was du siehst, wird die Farbe trocknen, und du hast in deinem Aquarellbild hinterher einen langweiligen grünen Brei.

Bäume malen gelingt, wenn man sich dies zu Herzen nimmt.

Die hellste Farbe im Baum muss viel gelber sein, als man denkt. Fängt man nun an, Grün zu malen, hat man bereits den ersten Kontrast.

Bäume malen – immer selber mischen!

Dadurch, dass man am besten mit jeweils einem kalten und einem warmen Blau sowie einem kalten und einem warmen Gelb auf dem Blatt mischt, entstehen vielfältige Grüntöne, genau wie in der Natur.

Versuche, in deinem Baum die gesamte Palette von Gelb über Grün bis Blau auszunutzen. Mit diesem Trick erhältst du vielfältige und abwechslungsreiche Grüntöne!

Bäume malen: Der Schatten verblasst

Bäume sind im Gegenlicht oft sehr dunkel. Man hat das Gefühl, sie seien tiefschwarz.

Diese Dunkelheiten erreicht man beim Bäume-Malen nicht, wenn man im normalen Spektrum der Grüntöne bleibt. Selbst ein sehr dunkles Grün wird zu blass, wenn man auf feuchtem Papier oder in feuchter Farbe malt.

Sehr dunkles Grün gelingt nur, wenn man sehr dicke Aquarellfarbe mischt. Denn diese verläuft, wenn sie in die Feuchtigkeit gerät, und verblasst dabei.

Zusätzlich braucht man beim Mischen der Dunkelheiten für Bäume oft Rot.

Ich muss lächeln, denn ich stelle mir die überraschten Gesichter von einigen Lesern vor!

Was hat denn Rot in grünen Bäumen zu suchen?

Nichts ist dunkler als ein Komplementärkontrast, denn dieser wirkt fast schwarz!

Anders als fertig gemischtes Schwarz bringen die Dunkelheiten, die aus Rot und Grün angerührt wurden, den Baum zum Leuchten! Das hat etwas mit den Wellenlängen des Lichts zu tun. Denn Rot macht Grün leuchtender.

Deshalb wirst du in meinen Bäumen immer rotbraune oder lila Reflexe finden.

Denn die rötlichen Dunkelheiten wirken natürlich und haben zwei Kontraste, die den Baum wirken lassen:

Den Hell-Dunkel-Kontrast wie auch den Komplementärkontrast.

Grün auf Grün! Ist nicht die Mutter der Kontraste

Kontraste machen Bilder schön.

Wenn nun ein grüner Baum vor grünem Grund steht, ist dies nicht gerade förderlich für dein Bild.

Besonders schwierig wird es, wenn verschiedene Pflanzenarten nebeneinander stehen. Die Wiese ist grün. Der Strauch ist grün. Der Baum ist grün.

Jetzt muss man dafür sorgen, dass sich die einzelnen Motivanteile voneinander trennen.

Profis achten zuerst auf die Tonwerte – also auf Hell und Dunkel. Der Trick ist einfach, man  malt Hauptmotiv, Nebenmotive und Hintergrund in unterschiedlichen Stufen von Hell und Dunkel, wird das Bild sofort lebendig, mehrdimensional und nicht flach. Die Tiefenwirkung entsteht vor allem durch Kontraste, nicht durch die exakte Farbe.

Tine Klein Blog Herz der Kunst Bäume malen

Das heißt, Vordergrund und Hintergrund müssen passend zum Hauptmotiv aufgehellt oder abgedunkelt werden, sodass sich die Motivanteile trennen. In diesem Bild ist der Hintergrund nun deutlich heller!

 

Versuche, in deinem Baum die gesamte Palette von Gelb über Grün bis Blau auszunutzen. Mit diesem Trick erhältst du vielfältige und abwechslungsreiche Grüntöne!

Deshalb sollte man sich beim Bäume-Malen vor allem auf das Licht konzentrieren und einzelne Motivbestandteile aus dem grünen Dschungel lösen! Wir müssen entscheiden, was uns wichtig ist. Das eine malen wir stärker, das andere drosseln wir ein wenig.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Vegetation so faszinierend ist. Sie zwingt uns dazu, wirklich hinzusehen. Nicht einfach nur Grün zu malen, sondern ein ganzes Orchester aus Hell und Dunkel sowie unzähligen faszinierenden Grüntönen zu erschaffen.

Liebe Grüße

Tine

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Naples , Buff oder Titanium… die Bad Boys im Aquarell

Naples , Buff oder Titanium – die Bad Boys in der Aquarellgeschichte.

Jahrelang waren diese Farben im Aquarell strengstens verboten. Und dahinter steckt eine sehr lange Geschichte.

Dahinter steckt eine Ideologie. Das ist fast wie eine politische Kampagne, bei der man einen bestimmten Lebensstil ausgrenzt. Was du machst, ist anders!

Raus mit dir!!!!

Titanium White (Titanweiß), Naples Yellow (Neapelgelb, meist die moderne Mischung) und Buff Titanium waren lange Zeit bei vielen traditionellen Aquarellisten verpönt, weil sie deckend sind. Das widerspricht dem klassischen Aquarellverständnis, denn Aquarell ist transparent.

Das Weiß kommt vom Papier.
Licht entsteht durch ausgesparte Flächen.
Farben sollen möglichst transparent sein.

Wenn du Weiß brauchst, dann kannst du nix!!!! ?

Und zum Teil sind diese Ansichten einfach eine Modeerscheinung, aber es gibt gute Gründe, warum diese Farben tabu waren!

 

Buff Titanium, Neapelgelb und Titanweiß machen Farben matt.

Eines haben diese Farben gemeinsam: Sie enthalten Titanweiß.

Titanweiß (PW6) ist eines der deckendsten Pigmente überhaupt. Mischt man es mit anderen Farben, werden diese:

  • heller,
    milchiger,
    weniger transparent.

Genau das wollte man im klassischen Aquarell vermeiden.

Neapelgelb hatte ein ähnliches Problem. Das ursprüngliche historische Pigment war sogar hochgiftig und bestand aus Blei-Antimon-Verbindungen. Die heutigen Neapelgelb-Töne sind meist Mischungen aus Titanweiß mit Gelb- und Ockerpigmenten.

Sie enthalten also häufig einen hohen Anteil deckender Pigmente und wirken deshalb eher pastellig.

Buff Titanium wurde noch später eingeführt. Es basiert meist auf Titanpigmenten mit einem warmen Beige-Ton. Auch diese Farbe ist halbdeckend bis deckend und erzeugt sofort sanfte, gedämpfte Mischungen. Viele Puristen empfanden das als „Abkürzung“, weil man damit sehr schnell natürliche Sand-, Stein- oder Hauttöne erzeugen kann.

Die Ächtung dieser Farben hatte gute Gründe!

Kann jemand nicht richtig mischen und hat auch so schon Probleme, schöne, saubere Farben zu erzeugen, und wird bedenkenlos gemischt, dann entstehen nicht nur dreckige Farben, sondern auch noch schlammig-matte Farben.

Schon mal Erbsensuppe wie schon  gegessen!

Warum macht Bad Boys küssen dann so viel Spass?

Interessanterweise hat sich die Sichtweise in den letzten 20 bis 30 Jahren deutlich verändert.

Ich kenne nur noch wenige renommierte Aquarellkünstler, die keine Farben mit Titan verwenden.

Die Effekte, die man dadurch erzeugen kann, machen das Malen vielfältiger und spannender, weil die Farben, vorsichtig eingesetzt, wunderbare Effekte erzeugen.

Heute werden diese Farben ganz bewusst eingesetzt, und sie sorgen für tolle Effekte.

Ich benutze sie oft, um Teile eines Bildes zurückzunehmen. Hier möchte ich, dass das Interesse auf der Klippe, den Bäumen und dem Meer bleibt. Deshalb dämpfe ich die Villa und das Grün drumherum mit ganz wenig Titan. Um genau zu sein: mit Buff Titanium.

Naples , Buff oder Titanium... wie man sie im Aquarell einsetzt.

Wanderweg zwischen Palamos und Sant Feliu de Guixols Tine Klein

Eines ist klar: Buff Titanium, Neapelgelb und Titanweiß sind im Prinzip genau dasselbe, bis auf ein bisschen Färbung!

Titanium ist weiß, Neapelgelb leicht gelblich und Buff gräulich-sandig.

 

 

Titanweiß – der stärkste Stoff!

Im Grunde ist Titanweiß der Grundbaustein.

  • extrem deckend
  • sehr stark aufhellend
  • kühlt Mischungen leicht ab
  • höchste Deckkraft der drei Farben

Buff Titanium – wo setzt man es ein?

Sehr vorsichtig. Titanweiß pur setzt man im Grunde nur als winziges Lichtpünktchen ein. Es wirkt großartig, wenn man es für kleine Lichtreflexe verwendet. Gut geeignet ist es auch für winzige nachträgliche Korrekturen.

Großflächig eingesetzt wirkt es schmierig und hässlich.

Aber auch beim Mischen kommt es gut, wenn man es einfach benutzt, um Farben zu brechen.

Gerade helle Farben werden heute viel mit Titanium gemischt, damit zum Beispiel ein helles Haus nicht durchsichtig aussieht. Die Farben werden dadurch sandig, pastellig und gebrochen.

Zum Beispiel prima, um kaltes Wetter darzustellen.

Oder hier einen Sommerhimmel voller Staub.

Buff titanium:

„Es ist die gräuliche Version von Titanium und eher ein fertiger, warmer Neutralton.“

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Schau dir mal hier die Schatten an. Buff Titanium entsättigt Farben, macht sie schwächer und neutraler. Das ist super bei Schatten. Die Schatten werden weich und unaufdringlich.

Die Farbe kann alle Töne zwischen gräulich und sandig annehmen.

Bei Fassaden, Steinen oder Schatten ist sie wunderbar!

Mischt man jedoch zu viel damit, wird alles matt! Dein Bild wird zum Langweiler.

Neapelgelb – das unaufdringliche Licht!

Neapelgelb ist kein Beige, sondern ein sehr helles, cremiges Gelb.

Man setzt es ein, um sanfte gelbliche Töne zu erzeugen. Während ich Buff Titanium oft einsetze, um Schatten zu erzeugen, setze ich Neapelgelb eher im Licht ein. Es erzeugt gelbliche, gebrochene und sanfte Farben – prima für mediterrane Architektur oder wenn man in der Altstadt malen geht.

Auch zartes Abendlicht kann diese Farbe gut.

Es lässt sich gut mit warmen Farben kombinieren.

Braucht man Buff Titanium, Neapelgelb und Titanweiß?

Als fertige Mischfarben eigentlich nicht nötig, doch beim Malen sind sie eine nette Abkürzung!

Denn wer Titanweiß hat, kann die beiden Farben natürlich in Sekundenschnelle erzeugen.

Trotzdem benutze ich die Farben des Öfteren! Warum?

Weil sie einfach eine schnelle Möglichkeit sind, Farben zu brechen. Bestimmte Stimmungen bekommt man ohne sie einfach nicht hin! Alle Farben, die etwas müde und sandig wirken sollen, gelingen damit besonders gut. Winterlandschaften, Morgen- und Abendlicht oder Altstädte mit schäbigen Fassaden sind die perfekten Einsatzorte für diese Farben.

Doch eine Warnung!

Wer vergisst, was für Farben das sind und wie Titan alle Farben bricht, tut sich keinen Gefallen!

Wer damit großzügig mischt, bekommt keine strahlenden Farben mehr hin!

Tipp:

Titanhaltige Farben haben Vorteile, aber auch Nachteile!

Deshalb ist es sehr wichtig, titanhaltige Farben im Farbkasten zu isolieren! Sie haben eine eigene Ecke, damit man nicht vergisst, was sie machen!

Und übrigens: Viele beliebte Modefarben enthalten Titan. Lavender oder Royalblau. Auch diese gehören in die Titanecke! Denn sie haben die gleichen Nachteile.

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Liebe Grüße

Tine!

Wer geben kann, gibt. Denn nur so bleiben die Dinge erhalten, die einem persönlich am Herzen liegen.


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Leichte und spontane Aquarellskizzen durch Pinseltechnik!

 

Tine Klein Aquarell Isar, München, Leichte und spontane Aquarellskizzen

Aber ganz so ist das nicht.

Es geht nicht ums Pauken, sondern um Fähigkeiten!

Ich will dir mal eine kleine Geschichte aus meinem Leben erzählen. Ich wünschte mir in meinem Garten einen kleinen Brunnen. Deshalb verabredeten mein Liebster und ich uns im Garten, um diesen kleinen Brunnen zu bauen.

Zuerst einmal brauchten wir ein Loch. Mein Liebster machte sich rar.

Wie macht man ein Loch? Mit der Schaufel, oder?

Ich begann mit der Schaufel, gab alles, schwitzte, riss mir die Fingernägel ab und zerrte an meinen Muskeln. Und ich war stinksauer auf den Liebsten!

Ich mühte mich ab und das Loch war mickrig, quasi nicht existent.

Das Gartentor schwang auf, der Liebste grinste wie ein Schelm und hatte eine kleine baggerartige Maschine dabei. Er schaute auf seine dreckige, verschwitzte Frau, strahlte charmant und machte mit einer kleinen Schaufel mehr Loch als ich in den zwei Stunden zuvor. Dabei machte ihm das Baggern so viel Spaß, dass ich ihn davon abhalten musste, den ganzen Garten zu verwüsten.

Merke: Es macht Spaß, wenn man die richtige Technik kennt.

Während sich mein Muskelkater entwickelte, hätte ich ihn erschlagen können, weil dieser Mann so ekelhaft schlau und durchdacht ist.

Was ist nun die Moral von der Geschichte?

Mit der richtigen Technik macht Aquarellieren richtig Spaß.

Im Aquarell hat man das gleiche Phänomen. Dadurch, dass viele Menschen, die Aquarell malen, nur mangelhaft ausgebildet sind,

…werden ganz einfache Dinge brutal schwer.

Sie benutzen die falschen Techniken und Werkzeuge. Dadurch werden viele Dinge so kompliziert, dass sie kaum lösbar erscheinen.

Leichte und spontane Aquarellskizzen – Hier ein Beispiel:

Heute zeige ich euch diese kurze Skizze, die ich einmal in 20 Minuten auf der Straße gemacht habe. Sie zeigt prima, warum falsches Werkzeug und mangelhaftes Wissen das Aquarellmalen unnötig kompliziert machen.

Leichte und spontane Aquarellskizzen entstehen durch die richtige Wahl des Pinsels.

Das ganze Bild wird mit der goldenen Farbe der Abendstimmung überzogen. Das dauert vielleicht eine Minute. Gewusst wie: Man benutzt einen sehr dicken Naturhaarpinsel. Ist die Lasur feucht und arbeitet man schnell, dann wird es perfekt.

Zu oft sehe ich aber, dass Lasuren mit kleinen Synthetikpinseln angelegt werden. Das dauert lange, ist mühsam

…und das Ergebnis sieht aus wie bei einem Kind, das zum ersten Mal allein Spaghetti gegessen hat.

Die Lasur hat unglaublich viele Flecken. Sehr frustrierend.

Der große Pinsel hingegen macht die Arbeit leicht und schnell.

Leichte und spontane Aquarellskizzen entstehen mit der richtigen Pinseltechnik.

Pinseltechnik ist kein Zauberwerk. Oft ist sie einfach und unkompliziert. Das Wasser in dieser Skizze zu malen, kostet mich vielleicht zehn Sekunden.

Warum ist das so schnell?

Die meisten Menschen denken, die richtige Art, mit einem Pinsel zu malen, sei die Spitze. Diese Technik ist auch sehr gut.

Nur gibt es für manche Motive effektivere Techniken.

Hier geht es vielen Malern so wie mir damals im Garten mit der Schaufel. Es funktioniert, aber es ist mühsam.

Wenn ich nun das Wasser male, male ich dann Welle für Welle oder jede einzelne Lichtreflexion? Nein.

Ich wechsle die Pinseltechnik zum trockenen Strich. Dafür schlage ich den Pinsel in der Luft aus, bis das Wasser herausfliegt. Im Atelier trockne ich ihn mit einem Handtuch. Dann nehme ich trockene Farbe direkt aus meinem Kasten.

Der Wassertopf wird dabei nicht benutzt.

Anschließend ziehe ich den Pinsel mit hoher Geschwindigkeit über das Papier. Aber ganz wichtig: Der Pinsel wird auf der Seite benutzt.

Plötzlich sieht das Malen des Wassers aus, als würde gezaubert.

Wenn die Handgriffe der Pinseltechnik sitzen, passiert das Ganze in wenigen Sekunden. Oft muss ich dies bei Demonstrationen mehrfach zeigen,

…weil der Prozess so schnell und einfach ist, dass die Menschen ihn beim ersten Mal gar nicht richtig wahrnehmen.

Mehr Beispiele für Vereinfachung!

In diesem Bild gibt es noch zwei weitere Beispiele, bei denen die richtige Pinseltechnik das Leben enorm erleichtert.

Leichte und spontane Aquarellskizzen entstehen nicht durch viel Arbeit, sondern durch Gewusst-wie.

Die Bäume sind normalerweise schwer zu malen. Schiebt man jedoch einen trockenen Pinsel rückwärts gegen seine übliche Malrichtung, die Bäume entstehen sie fast von selbst.

Aufgepasst! Merkst du etwas?

Auch hier wird nicht die schöne Spitze des Pinsels  zum Aquarellieren benutzt!

Feine Linien sind schwer?

Feine Linien und Masten sind oft ein Angstthema für Aquarellisten. Der Grund ist, dass man sie häufig mit feinen Pinselspitzen malen möchte. Und wieder ist die Lösung anders, als man denkt.

Oft lassen sich feine Linien durch Stempeln leichter erzeugen.

Was heißt das denn jetzt schon wieder?

Hier benutzt man die Seite des Pinsels. Der Pinsel wird nur kurz mit seiner Seite auf das Papier getippt. So entsteht eine viel feinere Linie, als wenn man sie malt.

Welches Werkzeug eignet sich dafür? Die Kante einer Kreditkarte oder ein Liner.

Der Liner sollte lang sein. Gut geeignet sind synthetische Haare. Warum? Weil sie nicht so viel Wasser aufnehmen und dadurch die Striche dünn bleiben.

Dünne Linien lösen bei vielen Menschen beim Malen regelrecht Schweißausbrüche, Angst und Panik aus!

Schau dir einmal die Stromkabel im Bild an.

Darf man wenigstens davor ein bisschen Angst haben?

Vollkommen unnötig!

Denn es gibt wieder einen kleinen Trick, der dir leichte und spontane Aquarellskizzen ermöglicht, auch wenn du feine Linien ziehen musst.

Du nimmst deinen Liner. Die Farbe darin darf weder zu nass noch ganz trocken sein. Vorher auf einem Blatt Papier testen!

Nun ziehst du den feinen Pinsel hinter deiner Hand her, so wie du eine Kiste ziehst, die zu schwer für dich ist. Die Hand macht die Bewegung zuerst und der Pinsel wird nachgeschleppt.

Die Folge: zarte Linien in Sekundenschnelle!

Liebe Leser, ihr seht also: Aquarell ist nicht schwer! Was uns das Leben schwer macht, ist meist nur mangelndes Know-how.

Was hast du davon?

Einerseits kannst du mit diesen Techniken überall schnell und sicher etwas festhalten. Aber selbst wenn das gar nicht dein Ziel ist, sind sie wichtig.

Denn sie helfen dir dabei, beim Malen eine wunderbare Leichtigkeit zu entwickeln.

Du kannst das!

Und wenn es noch nicht klappt, dann informiere dich, übe weiter oder komm zu mir in einen Kurs.

Liebe Grüße

Tine

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Braucht man einen eigenen Malstil?

Braucht man einen eigenen Malstil?

Diese Frage stellte mir eine amerikanische Malerin, als wir mit dem Bus durch das nächtliche Italien rasten. Wir waren zusammen im Aquarellmuseum in Fabriano. Und nun zückte sie ihr Smartphone und zeigte mir eine Reihe kunstvoller Malereien, die sie selbst angefertigt hatte.

Alle wunderbar hoch professionell und gefühlvoll.

Doch jedes einzelne Bild schien von einem anderen Maler gemacht! Das Sammelsurium war so vielfältig, dass ich mich am Kopf kratzte.

Genau für solche Fragen fährt man nach Fabriano. Der Austausch mit anderen Menschen zählt.

Jetzt saß ich in der Dunkelheit und dachte über die Frage nach.

Braucht man einen eigenen Malstil?

Ich gebe euch hier eine andere Antwort, als ihr erwartet:

Ich glaube, bedauerlicherweise braucht man ihn nicht!

Mein eigener Großvater war Maler. Er war fasziniert von der Technik des Malens. Und er war ein Schlitzohr – er ernährte die Familie gut damit, dass er Bilder kunstvoll malte, die man sich sonst nicht leisten konnte. Er malte alles! Michelangelo, J. M. W. Turner, Peter Paul Rubens, Anthony van Dyck – was ihm vor die Füße fiel.

Mein Großvater und diese Frau im Bus sind einfach Menschen, die gerne malen und es zur Perfektion gebracht haben

– und trotzdem gern andere Stile kopieren.

Menschen, die aus reiner Neugier auf das Malen und seine Techniken arbeiten, entwickeln oft keinen eigenen Malstil.

Es gibt viele Gründe zu malen!

Malen erzeugt seelische Zufriedenheit, weil es die kreisenden Gedanken im Kopf stoppen kann.

Und das ist in der heutigen Zeit Gold wert! Wenn man sich und seiner Familie ausgeglichen gegenübertritt, ist das schon mehr Grund zu malen, als man eigentlich braucht.

Malen erzeugt klare Gedanken und gutes Beobachten.

Deshalb ist es bei Technikern und Wissenschaftlern so beliebt!

Gerade das Malen von schönen Dingen schenkt Glück.

Die Fähigkeit, das Gute wahrzunehmen, ist einfach wunderbar.

Braucht man also einen eigenen Malstil?

Nein, braucht man nicht. Das Malen allein ist Geschenk genug!

Aber…

Der eigene Malstil wird sehr begehrt. Warum?

Ein eigener Malstil ist so wunderbar, weil er den Menschen sichtbar macht.

Und deshalb möchten so viele Menschen einen eigenen Malstil.

Ein Malstil gibt dem Betrachter etwas, was sonst sehr selten ist:

Ein Blick durch fremde Augen.

Und das ist enorm faszinierend. Wie kann es sein, dass jemand denselben Gegenstand so anders sieht als ich?

Der eigene Malstil zeigt sehr viel über Menschen.

Jetzt bist du vielleicht irritiert und denkst: Wieso? Verstehe ich nicht!

Aber du hast vielleicht schon einmal eine Handschrift gesehen und hattest sofort eine Idee von der Person!

Du siehst die Handschrift eines grau gekleideten Herrn, der sehr korrekt schreibt – Buchhalter?

Ein Malstil verrät noch viel mehr.

Man sieht in einem Bild unglaublich viel!

Oft ist Malen der reinste Seelenstriptease.

Das Bild zeigt, wie jemand den Pinsel bewegt, und so erkennt man wichtige Charakterzüge.

Man sieht, ob sich jemand sanft, frech oder zögerlich bewegt.

Man sieht den Umgang mit Kontrolle und Risiko.

Kann jemand Unsicherheit ertragen?

Ist die Person bereit, Risiko einzugehen, um etwas Interessantes zu erzeugen?

Ist jemand ordentlich oder arbeitet die Person mit dem Chaos?

Wie viel beobachtet jemand? Oder gibt die Person eher Interpretation und Gefühl Raum?

Man sieht, wie jemand Farben wahrnimmt. Und das kann dir zeigen, wie sich jemand fühlt! Denk an die Einsamkeit bei Edward Hopper.

Schau mal in mein Bild! Wer bin ich?

Ich habe dieses Bild gewählt, weil ich denke, dass man hier viele meiner persönlichen Eigenschaften sehr gut erkennen kann. Mich interessiert sehr, was ihr darin erkennt. Kann man einen Menschen durch seine Bilder lesen?

Kommentiere das doch auf Facebook oder Instagram, damit wir ins Gespräch kommen. Hier geht das im Moment leider nicht, weil jemand die Kommentare für Kriegspropaganda missbraucht.

Mein Instagramprofil, hierhttps://www.instagram.com/tine.klein/?hl=de

Du möchtest einen eigenen Malstil?

Oft liest man, dass man nur Zeit mit dem Malen verbringen muss und der Stil kommt von selbst. Wenn man es so definiert:

Ein Malstil ist die typische Art und Weise, wie jemand malt.

Dann stimmt das. Jeder entwickelt eine typische Art, wie er malt.

Aber ganz ehrlich?

Es gibt Menschen, die ihr Leben lang unwiedererkennbar malen. Wie passiert das?

Das liegt daran, dass viele glauben, es gebe feste Regeln in der Kunst. Sie malen nach Zeitgeist und wollen nicht das Risiko eingehen, etwas ganz Eigenes zu tun. Sie eifern populären Idolen nach.

Sie malen so, dass es nett bleibt. Nicht angreifbar.

Saubere Linien. Unauffällige Farben. Alles „richtig“.

Und genau deshalb bleibt der Stil oft unsichtbar

– weil er versucht, sich im Massengeschmack zu verstecken.

Was ist also ein echter eigener Stil? Und wie bekommt man ihn?

Zuerst: Geduld. Viel malen.

Der zweite Teil ist schwieriger.

Man muss anfangen, sich selbst zu respektieren.

Aufhören zu denken: Wie machen es die anderen? Was ist meisterlich?

Stattdessen fragen:

Was fühlt sich für mich gut an?

Du hast eine absolute Lieblingsfarbe? Gut. Dann benutze sie – ohne Reue.
Du magst harte Kontraste, weil du die Welt so siehst? Dann mach das.
Du bist eher zart? Super – zeig das!

Das besonders Schöne an Kunst ist, dass sie uns die Eigenheiten von Menschen zeigt.

Und genau diese Eigenheiten machen Malerei auch im Zeitalter der Fotografie spannend.

Interessant wirst du aber nur, wenn du zeigst, wer du bist.

Setze Techniken, Linien und Farben so, wie dir der Schnabel gewachsen ist!

Weißt du, was das bedeutet?

Einige Leute werden deine Kunst doof finden.

Warum? Weil man nicht jedem gefallen kann.

Aber wenn du deinen Pinsel so bewegst, wie du bist, wenn du deine Farben so wählst, wie sie dir gefallen, wenn du so locker oder so genau arbeitest, wie es dir entspricht – dann hast du deinen Stil.

Und wir werden dich dafür lieben.

Zeig uns, womit du dich wohlfühlst. Zeig uns, wer du bist.

Hör auf, krampfhaft nach einem Malstil zu suchen!   Zeig lieber deinen persönlichen Ausdruck. Denn ein echter Stil entsteht selten am Reißbrett

Merke dir eines: Du zählst. Wir brauchen dich.

Und die Meckerer?

Die meckern oft, weil sie sich genau das nicht trauen.

Liebe Grüße
Tine

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Weiterlesen bei Tine. Am Anfang hilft dir das Experiment:

https://blog.herz-der-kunst.ch/tag/freiheit/