Vereinfachen – Wie macht man ein tolles Bild?

Tine Klein, Blog Herz der Kunst, Tutorial skizzieren und vereinfachen mit Aquarell, Aquarellskizze Yachthafen Weil am Rhein bei Basel,

Geschichte zum Bild. Die Sonne geht unter, der Tag ist heiß und staubig, wir suchen einen Liegeplatz. Opa hat uns sein Boot vermacht. Im Yachtverein Weil gibt es Abendessen. Ein Cordon Blue mit den Ausmaßen eines gigantischen Schweins. Tom und ich starren uns betroffen an, was gibt es heute: halbes Schwein auf Toast! Wir befürchten die Fahrräder brechen zusammen, wenn wir das essen…lecker…schnelle Skizze vor dem Abendessen…danach Koma.

Unser Kopf sieht anders als gedacht!

Um ein richtig tolles Bild zu malen, musst du erst mal akzeptieren, dass dein Kopf anders sieht, als du Dir das vorstellst.
Dein Gehirn ist ein Teil von dir, ja logisch, es steckt natürlich in deinem Kopf. Aber anders als wir denken, ist unser Gehirn kein neutraler Beobachter.
Dein Kopf bestätigt sehr häufig deine Vorurteile, ihr sieht sozusagen, das was deinen Erwartungen entspricht.
Wenn wir zum Beispiel in einem Hafen stehen, dann erwarten wir dort Boote. Viele Dinge, die es dort auch gibt, wird unser Kopf übersehen. Würden wir alles sehen, und würde das dann alles auch noch in unserem Gehirn ankommen, dann werden wir alle sabbernde Idioten.
Das Gehirn filtert alles weg, was wir nicht erwarten.
D. h. wenn wir in einem Hafen sind, dann nehmen wir die Boote wahr, das maritime Zubehör und das Wasser.
Beim Malen sind wir allerdings darauf getrimmt, alles zu sehen.
Die normale Filterfunktion des Gehirnes ist bei Malern nicht mehr aktiv, sie sind SUPER-SEHER!
Das ist zwar eine wunderschön tolle Eigenschaft der Kreativen, aber die Folge sind völlig chaotische Bilder.
Die Kunst der guten Bilder ist die Scene schon zu filtern. das sie wieder einem gefilterten und verständlichem Sehmuster entspricht!
Summery:
Einerseits müssen wir perfekt sehen um gut zu malen, andererseits müssen wir das Bild extrem vereinfachen, damit es später dem normalen menschlichen Sehen entspricht.

Vereinfachen ist schwer:

Ist man ein Super-Seher, dann ist die Versuchung groß, ein Wimmelbild zu malen. Möchte man jetzt nicht gerade ein Kinderbuch machen, kommen diese Bilder gar nicht gut an. Ein nicht geschulter Mensch sieht einfach nur einen chaotischen Haufen. Das Bild ist für normale Sehgewohnheiten unangenehm. Doch Vereinfachen ist nicht gerade einfach, normalerweise passiert dieser Vorgang in unserem Kopf absolut unbewusst. Müssen wir das Vereinfachen selbermachen, dann ist es wirklich schwer. Wir haben ja keine Erfahrung damit, was unserer Kopf normalerweise weglässt. Denn alles, was wir sonst weg filtern, nehmen wir natürlich auch nicht wahr.
Heute möchte ich euch ein paar Tipps zum Vereinfachen geben.

Erstens feststellen, was mein ärmliches Gehirn ohne Super- Mal- Modus sieht.

Tipp: Schaue dir dein Motiv in Ruhe an, studiere es in aller Seelenruhe, gibt dir mindestens 1 Minute Zeit. Wenn du vom Foto arbeitest, drehst du das Blatt um. Wenn du draußen sitzt, drehst du dem Motiv den Rücken zu. Jetzt malst du, was du erinnerst.
Diese Aufgabe solltest du nicht wie ein Streber angehen, schlecht sein ist in diesem Fall kein Fehler, du solltest dich also nicht wie in einer Gameshow anstrengen, alles zu erinnern.
Alles, was deine Aufmerksamkeit nicht errungen hat, ist selbst schuld. Es fliegt raus, aus unserem Bild.
Merke: alles was du nicht erinnerst, hast du nicht wirklich gesehen!
Sehen hat zwei Komponenten, die Augen und den Wahrnehmungsfilter. Erst wenn etwas zu uns durchdringt wird es wirklich sichtbar!

Denke Gross, und hör auf Details zu malen wie eine Irre!

Schritt zwei: Am Anfang gehören in ein Bild nur die großen Formen. Oh ja, die kleinen Details sind natürlich verführerisch. Aber es kommt nur auf die Wichtigen an. Ich kann ja auch nicht durch einen Supermarkt laufen und jedes Lebensmittel in den Wagen werfen. Stell dir vor, du stehst in einer Obst- und Gemüseabteilung und würdest einmal in jeden Apfel und Salatkopf beißen. Das würde dir eine ganze Menge verwunderte Blicke einbringen. Ich weiß auch nicht, ob man dich nicht abholen würde, und du würdest einen netten Platz in einer gepolsterten Zelle bekommen.
Wahrscheinlich würdest du dir die Seele aus dem Leib kotzen, man kann nicht alles essen.
Was uns beim Essen klar ist, scheint uns, beim Malen nicht klar zu sein. Wir malen wie die Irren.
Wie wenig die meisten Menschen wahrnehmen kannst du dir mal in diesem Video ansehen, das ist kein Witz:
https://www.youtube.com/watch?v=El2wKeh88aI
Fazit: Wenn man das Video gesehen hat ist einem völlig klar. Ach du liebe gute der Durchschnittsbürger braucht dringend einen Blindenhund.

Gute Formen:

Schritt 3: Normalerweise ist es beim Vereinfachen nicht besonders wichtig, sehr ordentlich zu sein. Es gibt dabei jedoch eine Ausnahme, dies ist die gute und exakte Form. Die Formen, die man klar und deutlich sieht Und die auch etwas mit dem Bild zu tun haben, diese sollte man genauso klar übernehmen. In den weiten Bereichen eines Bildes kann man Formen auch einfach zusammenfließen lassen. Alles, was wir nicht erinnern oder nicht klar und deutlich sehen, ist für uns nicht relevant und sollte deshalb auch keine scharfen und deutlichen Form bekommen.

Vereinfachen heißt schlecht sehen.

Beim Vereinfachen haben es die Menschen einfacher, die nicht so gut sehen. Also Brille absetzen und Augen zusammenkneifen, bis man fast nichts mehr sieht. Der wird auffallen, dass du trotzdem einige Formen besonders klar siehst. Diese Formen sind für dein Bild besonders relevant. Du solltest in Formen und Silhouetten denken. Tue so als wärst du ein schlecht sehender Alien der gerade auf der Erde gelandet ist, du orientierst dich nach der groben Form. 

Male nichts nur weil du es weißt!

Viel zu oft malen wir Dinge in Bilder die wir gar nicht sehen. Autos haben Reifen, diese verschwinden sehr oft im Schatten und trotzdem werden sie gemalt. Das befiehlt dir dein Kopf denn er weiß das da Reifen sind!

Du spinnst ja nicht! Also hör auf Halluzinationen zu malen. 

Schau mal hier, keine Reifen, nur die minimale Form, die Rücklichter helfen das Auto zu erkennen.

Das ist echt schwer! Wir alle kämpfen beim Malen mit unseren Gehirnfunktionen, das eine mal sehen wir nix und das andere Mal spinnt sich dein Kopf was zusammen. Es ist zum Verrücktwerden.

Nutze diese Funktion des Gehirns nur, wenn dein Bild nicht gut verständlich ist. Wenn der Kai im Hafen nicht gut sichtbar ist, dann mal ihn einfach.

Vereinfachen heißt mit Seh- und Gehirnfunktionen zu spielen.

Ergo male das was du brauchst, damit ein Bild einfach und verständlich ist.

Ein Spiel von hinzufügen und weglassen beginnt.

Vereinfachen und die Pinselstrich-Polizei:

Spiele ein Spiel mit dem Pinsel, versuche ein Motiv mit so wenigen Pinselstrichen wie möglich zu zeigen. Details gibst du später nur vorsichtig wie Salz hinzu. Hier geht es um das Wasser und den Himmel. Das Haus ist ein Kasten. die Seite im Licht wurde nicht gemalt.

Tipp: Zeige zum Anfang nur die ganz klaren Grundformen. Tue so als sei dir die Pinselstrich Polizei im Nacken.

 

https://blog.herz-der-kunst.ch/malen-lernen-die-besten-tipps/

Malen lernen – die besten Tipps

 

 

 

Feinarbeiten, feine Linien eine Herausforderung für Maler!

Aquarell von Tine Klein, Rathaus Basel, Aquarell und Füllhalter, Tutorial Feinarbeiten in Skizzen und Aquarellen.

Ein Tempel für die Demokratie! Briefwahlabgabe im Rathaus Basel. So einfach ist das! Und in den Vereinigten Staaten erregt es die Gemüter! Pen and Ink, Aquarell und Tinte Tine Klein.

Feinarbeiten und Details sind eine Herausforderung für Maler.

Es gibt Motive, da fallen einem die Augen aus dem Kopf. Das rote Rathaus in Basel ist eines dieser Motive. In diesem Haus gibt es so viel zu sehen, dass man für jeden Quadratmeter sicherlich zwei interessante Bilder machen. Es gibt Statuen, Schmiedearbeiten, wunderbare Wandmalereien, leuchtendes farbiges Glas und allerlei Architektonisches zu entdecken. Jeder, der gerne malt, leckt sich die Finger nach einem solchen Motiv.
Im ersten Moment ist man völlig erschlagen von der vielfältigen Pracht.
Das größte Problem an einem solchen Motiv ist, dass man sich auf etwas konzentrieren muss. In diesem Haus wimmelt es vor schönen Kleinigkeiten, aber in einem Bild ob klein oder groß, kann man nicht alles gleichzeitig zeigen.
Die Basler haben sich hier einen stolzen Tempel der Demokratie gebaut, prächtig, zauberhaft, vielfältig und sehr, sehr rot!
Und schon kommen wir zum heutigen Thema, wer solch eine malen möchte, der kommt an freien Arbeiten nicht vorbei! Zauberhafte Details

Feinarbeit für den Genius Loci

Genius Loci, dies ist der Geist eines Ortes.
Es gibt bestimmte Dinge, die machen einen Ort erst zu dem, was er ist.
Das Rathaus in Basel wird bestimmt durch seine rote Farbe, es hat aber auch einige andere Details, die einfach zauberhaft und bestimmend sind. Zum Beispiel die prachtvollen und kunstfertigen Kunstschmiedearbeiten.

Wer alles malen will, der verzweifelt!

Der erste Tipp, den ich heute zu Kleinigkeiten geben möchte, ist, das man abstrahieren und aufräumen muss. Alles geht nicht! Im Basler Rathaus muss ich mich zum Beispiel zugunsten der Schmiedearbeiten die wundervollen Wandbilder weglassen.
Das tut weh, aber:
Die meisten Bilder gehen durch zu viel kaputt und nicht durch zu wenig.
Es gilt die Konzentration auf das Wesentliche, und wie das geht, werde ich euch nächste Woche beschreiben. Heute geht es erst mal um die kleinen Feinarbeiten.
Selbst wenn man schon viele Details weggelassen hat, stellt man fest, dass man immer noch nicht alles naturgetreu malen kann.
Alleine schon weil selbst der feinste Stift oder Pinsel zu dick ist! Wer dies wollte, müsste auf ein riesiges Format ausweichen, das riesige Tor des Rathauses hat hunderte von kleinen Details.
In einem Bild  geht es nur um die Gesamtwirkung  von Details.
Die Faustregel zu den Feinarbeiten ist:
Es muss nur aussehen, wie!
Schau mal im rechten Tor oben, links ist mein Fokus, rechts reicht weniger, das Muster wird im Grunde nur “nachgeafft”.

Zitieren ist die richtige Technik:

Man muss sich die wichtigen Details und Linienführungen aus dem Original herauspicken und sie in kleine und abgespeckter Form neu zusammensetzen.
Genau richtig ist es, wenn man sich die schönsten Dinge herausgesucht hat, der Betrachter diese sehen kann, ohne dass das Bild zu voll wirkt.
Faustregel:
Zeige einmal oder zweimal, aber nicht immer wieder.
Lass deinen Betrachter selbst arbeiten! Der Mensch liebt es seine Fantasie einzusetzen!.
Selbst wenn du nicht alles malst, wird es der Betrachter genauso klar sehen! Das ist das wunderbare an Menschen, wir können anderen durch Fantasie und Intuition folgen.
Schau mal die sechseckigen Glasscheiben, davon gibt es Hunderte. Im Fenster reichen ein paar Kringel.

Die Aufmerksamkeit auf Feinheiten lenken:

Wer Details in Bilder einfügen, muss das Thema des Bildes unbedingt im Kopf behalten.
Feinheiten und Details sind kein Selbstzweck. Sie werden nur dort eingefügt, wo der Betrachter hingucken soll. Wenn ich zum Beispiel die schmiedeeisernen Arbeiten zeigen möchte, dann tauchen genau dort im Bild die meisten Feinheiten, Details, aber auch die meisten Veränderungen in Bezug auf hell und dunkel auf. Schau mal in das linke Tor oben.
Alles was nicht von besonderer Wichtigkeit ist, bleibt grob.
Ich bilde also einen Kontrast zwischen ausgearbeitet und nicht ausgearbeitet. Fein versus grob, Flächiges im Kontrast zur Linie, Kontraste sind immer ein bewährtes Mittel, um die Aufmerksamkeit des Betrachters zu steuern.

Das Malen von Feinarbeiten hat seine Tücken!

 
Wer von uns hat das noch nicht erlebt? Ein wundervolles Bild, und dann gibt es den Augenblick, wo es kippt. Plötzlich wieder schöne Bild nicht mehr hübsch aus.
Wenn ein Bild zu viele Details hat ist es:
Kaputt gemalt
Der häufigste Grund ist, dass es zu viele Feinarbeiten gibt und das Bild völlig überfrachtet wird. 
Das Material hat seine Grenzen:
Zusammengefasst kann man die Fehler wie folgt beschreiben:
• Zu dick! Und zu grob!
• Zu dunkel und es passt nicht ins Bild!
• Es wirkt aufgesetzt und hat die falsche Farbe.
Die Leichtigkeit sagte: Adé und winkte traurig!
 

Das Material und Technik spielen beim Malen von Feinarbeiten eine große Rolle.

Ich kann Materialmix sehr empfehlen, in diesem Aquarell habe ich für die Feinarbeiten zum Füllfederhalter gegriffen. Tinte ist ebenso wasserlöslich wie Aquarellfarbe, und deshalb kann man sie feucht wie trocken verarbeitet. In der Verarbeitung unterscheidet sie sich also überhaupt nicht von Aquarellfarbe. Das Einzige, worauf man aufpassen muss, ist dass die Farbe der Tinte auch wirklich ins Bild passt. Viele Zeichner lieben es, mit Schwarz zu zeichnen, dies wird jedoch die Farbwirkung eines Bildes dramatisch verändern.
Wer mit Schwarz arbeitet, muss sehr vorsichtig vorgehen, denn Schwarz wirkt hart.
Wer lieber möchte, dass die Farbe unmerklich mit dem Aquarell verschmilzt, sollte zu einer Farbe greifen, die mit der Hauptfarbe des Bildes verwandt ist.
Es gibt noch einen kleinen Techniktipp:
Füllhalter, aber auch tintengefüllte Stifte, muss man nicht im Trockenen verwenden. Kommt Feuchtigkeit ins Spiel kann man sie sanft schmelzen lassen.
Ebenfalls wunderbar geeignet sind Aquarellstifte, mann kann mit ihnen ganz fein arbeiten.
Ist der Kontrast dann doch zu hart, kann man mit Wasser zu viele Details verschwinden lasen.

Feine Pinselarbeiten -eine haarige Sache

Feine Pinsel funktionieren nicht! Blöd aber sehr wahr.

Warum? Zu wenig Haare, das ist der Hass, man brauch ständig neue Farbe und dann sieht alles aus wie ein Flickenteppich!

Zum Pinsel habe ich bereits einen Blog geschrieben, den hänge ich an! Im Alltag liebe ich Mantelliner diese können alles dick und dünn.

Wichtig ist die Geschwindigkeit mit der man die Linien malt.

Feine Linien kann man nicht langsam und präzise malen, dabei gibt man dem Wasser viel zu viel Zeit aus dem Pinsel zu laufen.

Mut haben, Luft holen und dann in rasender Geschwindigkeit, so bleibt der Strich mit dem richtigen Pinsel fein und elegant!

 

Liebe Grüße ins Wochenende

Tine

 

Danke schön für das Lesen, für die wöchentliche Redaktion entstehen viel Arbeit und Kosten, ich freue mich sehr wenn du dich ab und an beteiligst. Dies gilt ausdrücklich nicht für Menschen in Not! Hat es dich getroffen! So ist dies ein Geschenk für Dich! Wir sind eine Gemeinschaft, die Spender und ich wünschen Dir viel Spass!




 

Zur Pinselspitze:

Rot! Was man über Aquarellfarbe wissen muss!

Rot ist die Königin der Farben!

Welche Aquarellfarbe gehört in den Malkasten? Tine Klein erklärt im Blog Herz der Kunst, was man beim Kauf roter Aquarellfarbe beachten muss. Tutorial Aquarellfarbe Motiv in der Altstadt von Basel.

Eine Farbe, bei der graue Mäuse den Kopf einziehen. Die Farbe,  die die stärksten Emotionen weckt, sie steht für Liebe und sie steht für Hass. Wenn Rot seine Strahlkraft entfaltet, dann gibt es offene Münder!

Rot ist die Königin der Farben, jedoch nicht im Aquarellkasten!

Starke Rot- und Orangetöne ziehen die meiste Aufmerksamkeit auf sich, doch verrückterweise kann man diese Farben im Farbkasten ein wenig vernachlässigen, wenn man kein passionierter Blumenmaler ist.

Blumen malen – ein rotes Feuerwerk!

Blumen- Maler brauchen Rottöne in jeder Wellenlänge. So abwechslungsreich wie möglich.

Beim Farbenkauf muss man darauf achten, dass man nicht nur vielfältige Farben kauft. Viel wichtiger sind ihre Eigenschaften. Transparente Farben werden am meisten leuchten. Transparente Aquarellfarben machen das Arbeiten nicht nur durch ihre brillanten Farbtöne leichter. Zusätzlich sind sie enorm praktisch, weil man sie nach dem Trocknen erneut als Lasur auftragen kann  und sie die dann immer noch absolut brillant leuchten.

Die leuchtenden Lasuren wirken wie Glasscheiben, die man ins Licht hält.

Achtung! Aufgepasst, wer strahlende rote Aquarellfarbe möchte, kann nicht einfach ins Regal greifen, denn überraschenderweise gibt es wenig transparente Rottöne. Wer also den Zauber ungebrochener Leuchtkraft erleben möchte, kommt nicht drum herum, nach den transparenten roten Farbtönen im Farbkatalog zu suchen.

Rot gibt es selten:

Wenn man jetzt nicht gerade ein passionierter Blumenmaler ist, dann verkümmert die Königin aller Farben.
Obwohl Rot eine Grundfarbe ist, spielt sie in vielen Farbkästen eine Nebenrolle. Das ist nur auf den ersten Blick paradox, denn man braucht die Grundfarben, um alle anderen Farben zu mischen.
Denkt man allerdings über die Sachlage nach, so wird klar, dass Rot und seine Mischfarben in der Natur selten vorkommen.
In der Urbanen- und in der Landschaftsmalerei kommen sehr selten strahlende Rottöne oder ihre Mischtöne vor. Selten sehen wir in der Stadt leuchtendes Violett, es gibt auch keine leuchtend orangen Felder und Berge sind selten knallrot.
Altes Rot in Form von Dachziegeln gibt es jedoch oft.
Daraus folgt, dass Maler, die gerne Urbanes oder Landschaften malen, völlig andere Rottöne im Kasten haben als Blumenmaler.

Urbanes Rot, rote Aquarellfarbe:

Die wichtigste Aquarellfarbe in der urbanen Malerei ist Siena Gebrannt. Siena Gebrannt ist fast schon kein Rot, sondern ein Rotbraun. Dieser rötliche Ton spielt in der Malerei eine unglaublich wichtige Rolle. Mit diesem müden Rotton können Blautöne gebrochen werden, sodass sehr natürliche Violett- und Grautöne entstehen, natürlich aussehende Schattenfarben bis hin zum  “farbigem” Schwarz.  

Diese rötliche Farbe ist in jedem Farbkasten unverzichtbar.

Auch weil sie dafür sorgt, dass andere Rottöne so gebrochen werden, dass sie sich ganz natürlich in Landschaften einfügen. Selten fügt sich ein signalrotes Dach natürlich in Bilder ein.

Siena Gebrannt ist der wichtigste Rotton, der dir hilft, andere Rottöne abzudunkeln und so zu verschmuddeln ,dass sie natürlich wirken.

Trotzdem wäre es nicht sinnvoll, das Rot ganz aus dem Farbkasten auszuklammern. Denn immerhin ist es eine Grundfarbe, und wir brauchen Signalfarben auch in der urbanen Malerei dringend.
Bei Verkehrslichtern oder Schildern sind klare rote Farben notwendig.
Viele Maler greifen für Verkehrslichter gerne zu deckenden Rottönen, weil sie bei ihren Lasuren die winzigen Punkte nicht aussparen möchten.

 

Welche Rottöne braucht man im Kasten?

Dies kommt ganz auf deine persönlichen Malgewohnheiten an.
Es ist nun einmal ein riesiger Unterschied, ob man strahlende Aquarellfarbe braucht oder gebrochene.
Trotzdem würde ich empfehlen, die Grundfarbe in transparenten Tönen zu kaufen. Denn Aquarellfarbe kann man jederzeit dämpfen, aber niemals kann man das klare Strahlen nachträglich wieder herstellen.

Wer einen Rotton kauft, wird überrascht feststellen, dass es sehr wenige transparente Rottöne gibt.

Bei der Auswahl der Rottöne würde ich einen kalten und einen warmen Rotton empfehlen.

Hat man eine kalte und eine warme Farbe im Kasten, so kann man in alle Richtungen mischen.

Die kalten Rottöne findet man im Bereich von Magenta. Sinnvoll ist es auch, einen gelblichen, warmen Rotton im Kasten zu haben, zum Beispiel Geranienrot. Dieser kann als Signalfarbe dienen und ist sehr hilfreich, wenn man Blumen malen möchte.

Abgedunkelt und gebrochen wird mit Siena Gebrannt.

Sinnvoll, aber nicht unbedingt notwendig, ist  ein Rosaton, diese Farbe kann man immer wieder einsetzen, wenn etwas weich werden soll. Insbesondere bei Farbstimmung ist ein Rosaton sehr praktisch. Wer es dezent mag, greift zum Krapplack Rosa, wer es wild und aufregend mag, greift zu Opern-Rosa.

Für Verkehrslichter ist das leuchtende Kadmiumrot sehr beliebt. Auch neofarbenes Gouache besticht mit Leuchtkraft.

Dieser Farbton  wird direkt aus der Tube ins Bild getupft, so stellt man sicher,  dass die Farbe trotz ihrer deckenden Eigenschaften stark und leuchtend ist.

Mischtöne, sekundäre Farben:

Auf gemischte Töne kann man im Kasten getrost verzichten. Hat man von allen Grundfarben einen kalten und einen warmen Ton, sind Mischfarben völlig unnötig, denn man kann in jede Richtung mischen.

Generell ist es sehr gefährlich, schon vorgemischte Farben zu kaufen, denn man weiß nicht, welche Pigmente in der Farbe stecken, und damit können beim Mischen böse Überraschungen entstehen.

Als Faustregel gilt:
Aquarellfarbe ist gut, wenn sie so pur wie möglich ist.
Wer sich im Aquarellkasten an die Grundfarben hält, lernt es, gut zu mischen.
Dieser Überblick zahlt sich aus, denn die Aquarellfarbe bleibt frischer und leuchtender.

Generell sollte man auch bei der Auswahl von Rottönen darauf achten, dass die Farbe nicht zu viele Pigmente enthält.

Immer wenn man mischt, entsteht eine Wahrscheinlichkeit, dass sich bestimmte Pigmente nicht miteinander vertragen.

Fassen wir zusammen,  bei der Auswahl der roten Farben für den Farbkasten gilt die alte Faustregel:

Eine kalte Farbe, eine warme Farbe und eine zum Abdunkeln….alles andere ist Schnickschnack.

 

Im Bild siehst du die Mischung aus: Kalt transparent, Warm transparent und Dunkel deckend. Wie in der Farb- Empfehlungen beschrieben.

Der einzige Schnick-Schnack: Neonfarbene Gouache aus der Tube für das Verkehrslicht.

Sag niemals nie!

Auch ich habe Mischfarben im Kasten, einfach nur, weil ich sie liebe. Farben, die ich oft benutze, weil ich sie einfach toll finde, dürfen natürlich in meinen Kasten.
Selbstverständlich brauche ich keine Schokolade, denn ich komme ja auch mit trockenem kBrot klar. Doch ich bin der Typ fürs Sahnehäubchen! Wer will schon Kuchen ohne Kirsche?
Mensch, das Leben ist einfach zu kurz, um auf die Lieblingsfarbe zu verzichten.
Farben kaufen macht totalen Spaß! Auch ich bin ein Suchti und kann die Pfoten nicht von unnötigen Farben lassen. Und schon bin ich in die Falle getappt!
Mache Dir eines klar :” Je mehr Chaos du in deinem Farbkasten hast, desto schwieriger wird es dir fallen, das Mischen zu lernen.”
Mit der Farbe ist es wie mit der Schokolade, Exzesse machen wirklich Spaß! Doch dann hast du den Salat!
Liebe Grüße
Tine
Ein Blog ist ein Tag arbeit!  Wer kann, darf gerne mithelfen. Hast du mit Corona finanzielle Probleme? Gerade für diese Menschen ist der kostenlose Unterricht. Viel Spaß, wünscht von Herzen Tine!



Hinweis dieses Jahr gibt es nur noch einen Kurs mit freien Plätzen:

Es ist ein Urban Sketching Kurs und das Thema Beobachten und Kolorieren:

https://kunstzeit-allensbach.de/kurse/zeichnen-kolorieren-und-urban-sketching1/

Für die großen Workshops bei Boesner, in der Schweiz zum Thema Farbwelten gibt es schon eine Warteliste. Bitte meldet euch weiter an! Wir versuchen, noch einen Termin zu finden, dann bekommt ihr eine Einladung.

 

Weiterlesen bei Tine:

Zum Anschluss an den Beitrag letzter Woche ein weiterer Tipp, der auf der Farblehre von Johannes Itten beruht:

Wikipedia: Hier findet man eine Liste der roten Pigmente, es gibt erstaunlich viele:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Pigmente#Rot

 

 

 

 

 

 

 

 

Farben sehen – Wissen für Maler!

Basel, Dufourstrasse am Flanagans, Aquarell von Tine Klein Atelier Herz der Kunst in Basel, Tutorial zum Thema Farben sehen

Wie wir Farben sehen!

Wer gute Bilder malen möchte, muss wissen, wie das Auge funktioniert.
Sehen ist ja das A und das O.
Den wenigsten von uns ist klar, dass es keine Farbe gibt, wenn kein Licht vorhanden ist.
Jetzt werden einige breit grinsen und sagen:
“ Na klar! Im Dunkeln sind alle Katzen grau.“
Aber ist dir klar, dass dies eine bahnbrechende Erkenntnis ist?
Natürlich können wir nicht sehen, wenn es dunkel ist, nicht nur weil es dunkel ist, sondern weil:
“ Die Farbe das Licht ist!“
Das Licht fällt auf einen Körper und der Gegenstand verschluckt dann einen großen Teil der Wellenlängen. Farben sehen heißt also: Licht sehen.
D. h. Die Banane wird gelb, weil sie alle anderen Farben frisst (absorbiert)!

Das Auge braucht zwei verschiedene Rezeptoren,  um zu sehen

Diese nennt man Stäbchen und Zapfen. Die Stäbchen messen die Wellenlänge und die Zapfen messen das Licht. Das Sehen braucht also beides!
Auch wenn wir zwei verschiedene Rezeptoren haben, das Licht bleibt also jederzeit mit der Farbe verbunden.
Viele noch etwas unerfahrene Maler versuchen die Farben eines Bildes abzubilden und vergessen dabei das Licht.

Auf einem Auge blind

Wenn wir nun das Licht im Bild vergessen, dann ist das ganze Bild nur noch halb so interessant. Du behandelst seinen Betrachter dann wie ein einäugiges Huhn, das findet zwar auch mal ein Korn, aber toll ist das nicht.
Das Licht ist der große Vergleichsmaßstab des Auges.
Deshalb möchte ich euch nun mal ein paar Tricks verraten, um großartige Bilder zu machen.

Licht,  der Vergleichsmassstab – die Folgen für das Farbensehen:

Da das Licht der Vergleichsmaßstab ist, hat das natürlich Folgen für unsere Malweise.
Wenn wir dem Auge einen Vergleichsmaßstab bieten wollen, dann ist es sehr sinnvoll, dem Auge das obere Ende des Vergleichsmaßstabes und das untere Ende des Spektrums zu zeigen, d. h. Bilder,  bei denen nicht an hell und dunkel gedacht wurde, bleiben immer etwas öde.
Auch wenn es unendlich schwer ist, es ist sehr sinnvoll:

Weiß stehen lassen!

Wer etwas Weiß im Bild stehen lässt, hat schon viel gewonnen,

Das entstehende Bild winkt dann sozusagen mit der weißen Fahne, und dies heißt für das Auge:
 
Hey, du blindes Huhn, hier ist das Licht!“

Schatten für das Licht!

 
Licht und Schatten sind Liebende.
 
Licht und Schatten kleben aneinander, wo viel strahlendes Licht ist, da ist immer ein tiefer Schatten.
 
Denkt doch einmal an euren Urlaub am Mittelmeer, die Plätze und das Meer sind Licht überflutet, oft ist man enorm geblendet. Tritt man jedoch in eine der engen Gassen, sind diese so gebaut, dass sie erholsamen Schatten spenden.
Es scheint fast so, als würde es dunkler werden, je heller das Licht ist. Das ist doch ein Paradox, oder?
Nein, denn es liegt an unserem Auge. Das Auge hat zwischen Hell und Dunkel einen Vergleich, merkt es dies, so macht es das Helle heller, um dir die Information zu geben, dass dies wirklich sehr hell ist.
Gibt es keine Dunkelheiten, hat das Auge gar keinen Vergleichsmaßstab und die gleiche Farbe wirkt aussagelos.
D. h. in der Nähe von Dunkelheit strahlen helle Farben viel Licht ab.
Dies ist natürlich genauso, wenn keine Dunkelheit vorhanden ist, das Auge kann es nur nicht bemerken.

Mein Maltipp für heute: Die Licht- und Schattenlasur:

Wenn wir doch wissen, dass das Auge zwei verschiedene Rezeptoren hat, dann sollten wir dies beim Malen auch berücksichtigen.
Die erste Lasur ist in der Regel für die Farbe.
Zeichner gehen teilweise etwas anders vor, sie zeichnen die Dunkelheit mit dem Stift und legen dann die Farbe oben drauf.
Gehopst wie gesprungen, eine Lasur für die Farbe, die andere für die Dunkelheit.

Wichtig ist, dass du bedenkst, dass man Helles und Dunkles trennen muss, damit der Vergleichsmaßstab erhalten bleibt.
In einer Phase malst du nur helle Farben, in dieser Lasur legst du nur schöne, strahlende und klare, helle Farben an.
Du schlägst dir rigoros auf die Finger, sobald du versuchst, alle weißen Stellen zuzumalen.

Meine sehr ernst gemeinte Empfehlung zum Schutz des Lichtes:

Schaffe dir einen kleinen, freches Teufelchen an, in Lack und Leder und natürlich mit Peitsche. Der wacht 10 cm groß neben deinen Pinseln.
Jedes Mal, wenn du versuchst, Licht zuzumalen, oder wenn du schöne, klare Farben zusammenmatschst, dann knallt er die Peitsche und “Zack!” gibts was auf die Pfoten.
Jetzt wirst du sagen:“ Igitt, so ein kleines Mistvieh auf dem Schreibtisch wäre eine Zumutung!“
Deine Augen jedoch würden dir sagen: “ Ahhhhhhh! Wunderbar, das erste Mal wurden meine Augen mit herrlichem Licht gekitzelt. Ich finde, du solltest öfter mal mit der Peitsche bedroht werden!“

Die letzte Lasur ist für den Schatten:

Schau mal ins Bild, genauso wie die Augen trenne ich Licht und Schatten. Farbensehen braucht eben beides, Licht und Farbton.

Basel, Dufourstrasse am Flanagans, Aquarell von Tine Klein Atelier Herz der Kunst in Basel, Tutorial zum Thema Farben sehen

Ich trenne die Lasuren, weil ich möchte,  dass das volle Spektrum von Licht für das Auge sichtbar wird.

Du siehst, die erste Lasur war die pure Farbe. Die letzte Lasur ist die Dunkelheit.

Dadurch werden die Bilder toll.

Siehst du es nun im Bild?

Stell dir mal vor,  wie erfolgreich ich als Mallehrerin wäre, wenn ich meinen Schülern so einen kleinen Peitschenschwinger in rotem Lackleder auf den Schreitisch stellen könnte.

“Patsch!“… „Autsch“. Tine sagt, du darfst das Licht nicht töten!“

Ich wette,  nach 30 Sekunden im Atelier:

Autsch, Autsch, Autsch , Autsch!!!……………….AUuuuuuuuTSCH!

Achtung, Farb- Security! Farben sehen und sichtbar machen, braucht Disziplin!

Ich befürchte, ich würde  oft genug selbst ein paar Hiebe auf den Hintern bekommen!

Liebe Grüße ins Wochenende, probiert es mal aus, aber erst mal ohne Peitsche…kicher!

Tine

 

Ach, Kunst ist Arbeit!  Wer kann, darf den Blog unterstützen!




 

Weiterlesen bei Tine zum Thema Sehen:
Mehr Infos zum Sehen:

 

https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/mensch-natur-umwelt/farbensehen-reflexion-absorbtion100.html

 

 

Johannes Itten – Vierklang

Basel, Aquarell, Tutorial Vierklang Johannes Itten., Basel Dufourstrasse

Johannes Itten:

Farbtheorie kann einen in den Wahnsinn treiben. Farbe ist am schönsten, wenn man sie mit Bauchgefühl malt.

Wissen ist Macht! … Nichtwissen macht auch nix!

Stimmt nicht! Denn das macht schlammige Farben.

 Welche Farben sehen zusammen ist toll aus?

Das Wissen dazu bietet Johannes Itten. Der Schweizer Johannes Itten hat in den zwanziger Jahren am Bauhaus in Weimar gelehrt.  Ich glaube er war einer der Lehrer meines Großvaters. Dem Beruf von Johannes Itten kann man gar nicht so einfach angeben. Ähnlich wie bei mir, irgendwas zwischen Maler, Kunstpädagoge und Kunsttheoretiker.

Johannes von Itten hat sich Gedanken über die Farblehre gemacht.

Hat sich tot langweilig an, ist es aber nicht!
Fast 100 Jahre ist es jetzt her, dass Johannes von Itten am Bauhaus gelehrt hat.
Wenn ihr mich fragt, Johannes Itten hat die beste Farblehre und den besten Farbkreis erschaffen.
File:Farbkreis Itten 1961.svg
Wichtig für uns ist, dass Johannes von Itten wundervolles Wissen entwickelt hat und dieses uns großartig beim Malen lernen helfen kann.
Das Wissen ist wirklich hoch interessant und hilfreich.
Für Anfänger, wie auch für Profis, ist es so ein bisschen wie der goldene Gral.
Das Problem mit dem goldenen Gral ist, dass viele suchen und wenige finden.
Berufstheoretiker können dieses Wissen in so komplizierte Worte fassen, dass man nach dem Lesen eines kurzen Satzes das Gefühl hat man ist besoffen.
Das klingt dann zum heutigen Thema so:
“Vierklang (harmonisch), als Quadrat oder Rechteck im Farbkreis, sieht er als harmonisch an. Dreieck und Viereck können im Kreis rotieren, es finden sich immer harmonische Farbklänge zusammen.”
Na, hast du jetzt den Durchblick?
Wisst ihr was mein Beruf ist? Ich übersetze wundervolles Wissen vom Fachchinesischen ins Deutsche.
Die Lehre von Johannes Itten wird so verpackt wie ein Gebetbuch. Die Lehrsätze sind unangreifbar und werden einfach nicht erläutert. Man muss sie einfach glauben.
Zum Teufel! Ihr müsst nichts glauben, ich werde euch jetzt erläutern was das ist und wieso  es so harmonisch wirkt.

Vierklang ist keine Pizza?

Sondern ein klasse anwendbares Farbschema. Der Vierklang wird auch Tetradisches Farbschema genannt. Nur so zur Information.

 

Definition: Im Farbkreis werden 4 Farben durch ein Rechteck verbunden. Es ist egal wie die Farben im Farbkreis liegen.

Was passiert dadurch? 2 Komplementäre Farbenpaare werden miteinander Kombiniert.

Komplementäre Farben liegen im Farbkreis genau gegenüber, Das heißt ihre Wellenlängen sind extrem weit auseinander das Kitzelt das Auge, Bilder werden dadurch lebhaft. Das Auge findet diese Kombinationen am aller interessantesten.

Die Farben, die auf der gleichen Seite des Farbkreises liegen, bilden schöne und harmonische Mischfarben.

Das Geheimnis dieser Farbkombinationen ist eine ausgewogene Mischung aus Spannung und Harmonie.

Farbkombinationen des Vierklangs:

Tetradische Farbharmonien funktionieren , weil man zwei warme und zwei kalte Farben verwendet. Das kitzelt das Auge, da die Wellenlängen weit auseinander sind.

Kombinationen gibt es viele, es funktioniert nicht nur als Viereck, sondern auch schlanke Rechtecke im Farbkreis funktionieren wunderbar.

Die Farben ausbalancieren:

Eine Methode ist es, eine der vier Farben als dominant zu wählen, um den Betrachter nicht mit zu vielen gleichberechtigten Farben zu überfordern. Hier ist ein wenig kompositorisches Geschick gefragt.

Wählt man die Farben sehr klar und ungemischt, wird die Kombination sehr poppig und grell.

Weich wird es, wenn man eine oder zwei Farben in sehr gedämpfter Variante verwendet, für diesen Weg habe ich mich heute entschieden.

Basel, Aquarell, Tutorial Vierklang Johannes Itten., Basel Dufourstrasse

Stecken wirklich 2 komplementäre Paare im Bild? Ja, um das zu bemerken muss man aber zweimal hinschauen.

Das Orange wird ergänzt durch ein ganz zartes Blau. Sieht man unten rechts in der Jacke und hinten im Turm,

Das Blau steckt im Lila. Das erzeugt Verbundenheit und Harmonie. Das Lila ist die komplementäre Farbe zu den Gelbtönen im Bild.

In diesem Bild ist Orange-Gelb Gelbgrün dominant, eine fast analoge Farbkombination. (Analog = Farben die im Farbkreis direkt in einander übergehen; der kalte Gegenpool:  Lila und Blaugrau)

 

Das Bild funktioniert, weil nur eine der 4 Farben eine starke Leuchtkraft entwickelt, das Orangerot! Die anderen Farben arbeiten weich, gedämpft und harmonisch zusammen.

Man merkt der Vierklang funktioniert durch eine raffinierte Mischung von Harmonie und Aufregung.

Vorsicht Falle!

Wählt man die komplementären Farben zu stark, wirkt das Bild wie ein Kindergeburtstag.

Bilder mit Vierklang enthalten 2 komplementäre Paare. Mischt man die Komplementärfarben wird alles grau! Schlamm-Alarm!

Dann wirkt das Bild wie schon einmal gegessene Erbsensuppe!

 

Du darfst alles mischen! Aber die Komplementäre werden nur gemischt, wenn man grau braucht,

Summery: Der Vierklang von Johannes Itten

  • Vierklang: Ein Bild mit 2 Paaren komplementärer Farben.
  • Super interessant: Farben werden dadurch harmonisch verschmolzen.
  • Immer gut, weil dein Bild automatisch kalte und warme Farben hat, das macht es zum Hingucker.
  • Die einzelnen Farben bieten extrem viele harmonische Mischfarben.
  • Die Komplementäre darf man aber nicht unbedacht mischen.
  • Leichter umzusetzen wenn eine der Farben dominant ist
    oder wenn sich eine Grundfarbe durch das Bild zieht.

Viel Spaß, probiert es mal as, versucht es mit Fingerspitzengefühl, hilfreich ist dabei ein Blick in Johannes Ittens Farbkreis. Nehmt das Thema mit Freiheit und Humor, denn Itten hätte sicher nicht gewollt, dass seine Lehre zu kalten Lehrsätzen erstarrt.

Liebe Grüße ins Wochenende

Tine

Alle Farbschemata findet ihr hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Farbschema

Tolle Sendung im Srf! Ein Film über Johannes Itten:

 

Heureka! Die richtige Farbe finden!

Heureka! Ich habˋs!

Basel, Aquarell, skizze,, Blick von der Wettsteinbrücke Basel,, Basler Münster, die richtige Farbe finden

Heureka heißt,  ich hab ˋs! Der Aufruf gehört zu dem Glücksgefühl, wenn man einen Durchbruch geschafft hat. Solche Momente wünscht man sich, wenn es darum geht,  die “richtige” Farbe für ein Bild zu finden!

Von den meisten Menschen wird es als richtig empfunden, in realen Farben zu malen.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille!

Farben finden ist vielschichtig!

Orte haben ihre ganz eigenen Farben! Oft wirken realfarbige Bilder sehr enttäuschend. Warum fühlen sich realfarbige Bilder falsch an? Je nachdem, welche Aussage wir in einem Bild machen wollen, gibt es eine “richtige” Farbe, die ganz und gar nichts mit der realen Farbe zu tun hat.

Dies möchte ich einmal kurz erläutern: Will man ein Bild über Griechenland malen, gehören Blau-Weiß als Erkennungszeichen dazu.
Der Betrachter wird bei einem Terrakotta und Siena farbenen Bild schwerlich auf die Idee kommen, an Griechenland zu denken.
Wenn ich zeigen möchte, dass ein Ort super gemütlich ist, wird Grau nicht die richtige Farbe sein. Auch wenn das neue graue Sofa sehr gemütlich ist.
Für Regen und trübes Wetter ist Grau allerdings perfekt.
Basel, Aquarell, skizze,, Blick von der Wettsteinbrücke Basel,, Basler Münster, die richtige Farbe finden, Basler Münster im Gewitter
Du siehst, wir stecken in der Klemme, denn es gibt mehrere richtige Farben für ein Bild.
Heute geht es aber um ein anderes Thema:
Wie komme ich zu dem richtigen Farbkonzept für mein Bild und wie Schütze ich es dann, damit es am Ende richtig wirkt?

Farbkonzepte entwerfen – die richtige Farbe für dich finden.

Oft wünscht man sich wie im Comic die Glühbirne über dem Kopf, wenn es um die richtige Farbwahl für ein Bild geht.
Denn Farben auswählen, ist viel komplexer, als sich nur an die realen Farben zu halten. Farbe ist Kommunikation, und es gibt viele wahre Farben neben den wahren Farben, die wir sehen.
Wie kommt also so ein Aha – Moment zustande?
Die meisten Menschen haben damit unglaublich viele Probleme, denn für sie ist die reale Farbe die einzig richtige Farbe.
Dies scheint für viele ein unlösbares Problem.
Die Antwort ist einfach: Einen Moment lang die Augen schließen und sich fragen:“ Worum gehts hier überhaupt, und welche Farbe würde ich dieser Tatsache zuordnen?“
Dann wird es ganz einfach. Der Trick für ein HeurekaErlebnis mit Farbe ist, dass man das Wort “Muss!” verbannt und fragt, wie fühle ich das?
Der Trick liegt einfach daran, in der Situation entspannt umzudenken.
Mach dir einfach keinen Stress und probiere mal grundlegend unterschiedliche Möglichkeiten aus.
Du wirst sehen, es wird viel einfacher, wenn du andere Gedanken zulässt. Die richtige Farbe gibt es in sehr vielen verschiedenen Varianten.

Sprenge die Grenzen!

Ich möchte dir dies heute an zwei Bildern zeigen, die an das Thema kalte und warme Farben von letzter Woche anschließen.

Meine Stadt hat ein mediterranes Klima, letzte Woche hatten wir fast durchgängig Temperaturen über 30°. Oft auch viel höher, 38° war nicht selten. Die Sonne knallte vom Himmel, ein Brutofen in der Stadt.
Denke einmal kurz nach, welche Farbe hat eine 38° warme Sonne?
Antwort: Natürlich war der Himmel blau, doch eine 38° warme Sonne hat für mich ein sehr warmes Gelb.
Basel, Aquarell, skizze,, Blick von der Wettsteinbrücke Basel,, Basler Münster,
Neben einem strahlend blauen Himmel ist also auch ein sehr warmes Gelb eine mögliche Grundfarbe.
Dann ist das Wetter umgeschlagen, vom Atlantik trieben über Frankreich riesige Wolkenberge heran. Es hat geregnet, so heftig und eimerweise über Tage, dass in der Luft nur noch Wasser und Gewitter stand.
Das Wasser in der Luft ist für mich blau. Alles ist nass, also ist alles blau.
Regenwetter ist für mich aber auch grau, deswegen gibt es in diesem Bild aber auch viele Blaugrautöne.
Basel, Aquarell, skizze,, Blick von der Wettsteinbrücke Basel,, Basler Münster, die richtige Farbe finden, Basler Münster im Gewitter

Ein Farbkonzept für die richtige Farbe!

Es hat gefunkt! Im Gehirn entsteht ein ganz anderes Denkmuster, wenn man ihm erlaubt,  sich von der realen Farbe zu lösen und Situationen in Farbe umzusetzen.

Erwarte keine Wunder, die Teile deines Gehirns, die es gewohnt sind, immer nur reale Farben zu malen, werden nicht entzückt sein und gegen deine neue Art, die “richtige Farbe” zu finden,  ankämpfen. Das verhindert den Zündfunken im Gehirn sehr effektiv!

Ein kleiner Tipp:

Bevor du anfängst zu malen, mach die eine kleine Sammlung von Farben,

Regenwetter :

Mein Regenwetter besteht aus Lavendula, Fr. Ultramarin und Indigo, damit die Farben grau werden,  kommt gebranntes Siena und Lasur Orange dazu. Vergrauung durch den Komplementärfarbeneffekt. Damit es nicht zu ungemütlich wird, läuft Magenta ins Spielfeld ein, Magenta macht Blau nicht grau,  sondern angenehm lila.

Die richtige Farbe finden, Farbstreifen

Oder Farben zum Thema Heiß!

Heiß ist für mich Sonnen-Gelb! Deshalb bestehen weite Teile des Bildes aus einem warmen Indisch Gelb. Ich unterstütze das heiße Indische Gelb noch mit Lasurorange und Qinachidromegold. Das wirkt richtig warm! Auch die Stadt bleibt in warmen Tönen Rot, permanent Rosa und gebrannter Ocker.

Wieso sind die Bäume nicht grün? Bei Hitze verliert das Blattwerk Wasser, Staub hängt in der Luft. Blattwerk wirkt an heißen Tagen weniger grün.

Der poppige Kontrast von Rot, Gelb und Grün würde nicht heiß, sondern quietschig und aufgeregt wirken, das passt nicht zur Stimmung eines heißen Tages.

Dann malst du dein Bild in den von dir gesammelten Farben!

Du kannst also vorher ausprobieren, welche Farben zusammen prima wirken oder welche Basisfarbe du möchtest.

Frei von der Ablenkung realer Farben!

Viele Aha-Erlebnisse entstehen in den Momenten, in denen man entspannt ist und keine weiteren Ablenkungen hat.
Ich liebe das Draußen-Malen über alles, doch ich merke, manchmal ist es für die Schüler ungeheuer schwer.
Weil alleine der Blick auf die realen Farben im Gehirn einen ungeheuren Streit der einzelnen Gehirnzentren erzeugt.
Mein Tipp ist, dieses Konzept, ohne störende Farbeinflüsse,  zu lernen.
Blende einmal alle Ablenkungen aus, benutze eine schwarz-weiße Vorlage, sodass du dir die Farbe dazu einfach ausdenken kannst.
Heureka-Momente entstehen oft in Ruhe, weil das Gehirn dann widerstreitende Empfindungen besser verarbeiten kann.
Erwarte nicht, dass es sofort klappt, schlaf mal drüber und geh das Thema entspannt an.
Die Gedanken sind frei, setz dich nicht unter Druck und mach dir erst beim Malen Gedanken über die Farben und versuche es so, wie ich es oben beschrieben habe. Sammle die Farben vorher, denn beim Malen gerätst du sonst unter Druck und dann blockiert das Gehirn.
Freiräume schaffen!

Kreativität und Farben trainieren

Versuche es einfach mal ganz ohne Erfolgszwang, mache die wildesten Farbkombinationen ohne irgend ein Ziel. Das Gehirn kann kreative Prozesse am besten umsetzen, wenn es keinen Druck hat.
Du wirst sehen, die Idee lauert unter der Oberfläche! Sie kommt aber nur raus, wenn man entspannt ist.
Nicht real, nicht rational und auch nicht konform zu sein, das ist nicht jedermanns Sache.
Damit haben viele meiner Schüler Probleme.
Doch Kreativität kann man einüben, wenn man es gewohnt ist, Dinge mal anders zu machen, fällt es einem immer leichter.
Belohne dich! Wenn etwas schiefgeht, darfst du dich nicht fertigmachen.
Andererseits ist es aber auch sehr hilfreich, die Bilder, bei denen etwas geklappt hat, zu rahmen!
Zeigt dir selbst, ich bin gut, und etwas anders zu machen, kann sich lohnen.
Die Motivation  klappt einfach viel besser.
Die Aha-Momente in der Farbe wirken erst mal mysteriös.
Doch sie sind durchaus das Ergebnis eines anderen Regelwerkes. Dein Gehirn muss lernen, diese Querverbindungen zu ziehen, aber großartige Ideen brauchen Zeit und Übung.
Ich wünsche dir ein wunderbares Wochenende, probier das mal aus.
Liebe Grüße Tine

Weiterlesen bei Tine:

Die eigene Farbwelt erstellen:

https://blog.herz-der-kunst.ch/einen-farbkasten-persoenlich-zusammenstellen/

Einen Farbkasten persönlich zusammenstellen

Buchtipp:

https://buchblog.schreibtrieb.com/das-aha-erlebnis-von-john-kounios-und-mark-beeman



https://de.wikipedia.org/wiki/Heureka

Farbtemperatur – kalte und warme Farben

Farbtemperatur, ein Begriff, der für Verwirrung sorgt!

Jeden Morgen, wenn ich schwimmen gehe, quieke ich und denke,  die Temperatur des Rheins könnte ein wenig höher sein. Wenn das eisige Wasser über meinen Bauch schwappt, dann denke ich intensiv an das Wort Temperatur. Mal ganz ehrlich, Temperatur ist doch das Wort, das man in der Malerei am wenigsten vermuten würde.
Trotzdem ist wohl schon jeder von euch über das Wort Farbtemperatur gestolpert. Wenn man über Farbtemperatur spricht, dann geht es um kalte und warme Farben.

Jetzt ist der Begriff natürlich immer noch nicht klarer, denn man kann ja keiner Farbe ein Thermometer ins Hinterteil schieben.

Also steht die Frage im Raum:

Farbtemperatur , worum geht es? Und wozu muss ich das wissen?

 

Farben reflektieren das Licht in Wellenlängen und  dies wird genauso wie die Temperatur gemessen. Die Masseinheit des Lichtes ist Kelvin.

Gott sei Dank, müssen wir es in der Malerei gar nicht so genau wissen. Trotzdem wäre es weit gefehlt zu denken, dass man bei dem Thema Farbtemperatur mit Halbwissen weiterkommt.

 

 

Wir alle wissen, wie wichtig Licht und Schatten für Bilder sind. Licht und Schatten sind gefühlt das Allerwichtigste. Denn würden wir das vergessen, würden wir das halbe Auge lahmlegen.
Das Licht wird mit dem Stäbchen im Auge gemessen. Jetzt wird klar, warum die Farbtemperatur so unglaublich wichtig für Bilder ist. Die Farbtemperatur spielt mit den anderen Sinneszellen des Auges. Würden wir die Zapfen außer Acht lassen, würden wir ebenfalls die Hälfte unserer Augenfunktionen ignorieren. Bei so einem wichtigen Thema kommt man nicht mit Halbwissen weiter, denn die Farbtemperatur hat Einfluss auf die folgenden Bereiche in der Malerei:
• Stimmung und Farbwirkung
• Tiefenwirkung eines Bildes
• Licht und Schatten
• Vielfältigkeit und die Aufmerksamkeit des Betrachters
Fassen wir das mal kurz zusammen:
In allen wichtigen Punkten der Malerei kommt man um den komischen Begriff Farbtemperatur nicht drumherum.
Deshalb lohnt es sich für jeden von uns, sich tief in das Thema herein zu knien. Das Ergebnis eines brillanten Umgangs mit Farbtemperaturen sind tolle Bilder.
 

Farbtemperatur – warme und kalte Farben

Im ersten Schritt muss man sagen, dass die kalten Farben in den Bereichen liegen, in denen Wellenlängen für bläuliche, violette oder grünliche Farben reflektiert werden.
Dementsprechend sind die warmen Farben Rot und Gelb. Eselsbrücke:

Das kann man sich einfach merken, Rot steht für Feuer und das ist warm, Blau steht für den Ozean und der ist kalt.

Auch innerhalb der einzelnen Farben gibt es warme und kalte Farben.
Selbst von der wärmsten Farbe,Rot, gibt es warme und kalte Versionen. Das Wichtige daran ist, dass sich ein Bild durch die benutzten Wellenlängen total verändert:

 

2800 K: Bei diesem Bild denkt bestimmt niemand an einen heißen Sommertag, das Bild wirkt kalt, aber dies ist nicht alles. Im Vergleich zur normalen Beleuchtung unten rechts wirkt das Bild flach. Achtet einmal darauf, das Auto wirkt in Blau kleiner und weiter weg, denn unser Gehirn interpretiert Blau als Entfernung. Deshalb werden in der Landschaftsmalerei entfernte Dinge in kalten Farben gemalte, weil Bilder durch die blauen Farben im Hintergrund Tiefe erhalten.

Handfestes Praxiswissen: Hintergrundfarben sind blauer, also kälter.

Jetzt schauen wir uns mal das Bild mit den 10,000 K an. Und wir sehen messerscharf! Haha, warme Farben wirken tatsächlich wärmer! Im Vergleich zum normal belichteten Foto unten rechts scheint dieses Bild an  einem schönen, sogar heißen Sommertag aufgenommen worden zu sein.

Praxiswissen: Warme Farben wirken tatsächlich warm. Gutes Wetter, gute Stimmung

Schauen wir mal zum Vergleich auf 10.000k und 4500 K

Vergleicht mal die beiden Bilder:

Warm wirkt freundlich und fröhlich, 5500 K weniger wirkt klarer und sauberer.

Praxiswissen: kalte Farben können klar, sauber oder technisch wirken. Warme Farben freundlich, warm.

Das Spiel mit der Farbtemperatur am Beispiel:

Mein Mann lacht sich oft kaputt, er behauptet,  man könnte mich an jeder Straßenecke der Welt absetzen, und ich hätte dann schon meinen Spaß.
Zugegeben,  ich bin ein Nerd, gibt man mir ein Thema, dann macht es mir unendlich viel Spaß,  spielerisch alle möglichen Varianten auszutüfteln.
Was dabei rauskommt, das zeige ich euch jetzt:

Ich möchte euch das Thema Warm und Kalt an einer Straße in Amsterdam zeigen. Diese Straße ist besonders imposant und deshalb habe ich mich dort immer wieder mit Freunden zum  Malen getroffen.

Insgesamt gibt es 8 Bilder der gleichen Straße. Langweilig wird dies nie, denn das Thema Licht und Farbe wird nie langweilig. Es ist das Spiel mit Stäbchen und Zapfen im Auge.

 

Das Auge unterhalten:

Zuerst einmal meine Bierdeckelskizzen, so taste ich mich an ein Motiv heran. Eine kleine Skizze im Abendlicht,  die Straße wirkt rosarot und warm.

Noch mehr bekommt das Auge zu sehen, wenn sich Kalt und Warm abwechseln. Doch auch das warme Rot ist ein kaltes unter den Rottönen, dadurch wirkt das Bild leicht aggressiv:

Weicher wird es, wenn sich mehr warme Töne zum Blau gesellen. Zu den leuchtenden Tönen gesellen sich auch gebrochene Töne. Neutrale Farben  machen es weicher. Die gleiche Straße,  aber der Blick vom rechten Bordstein.

Tipp: Das volle Spektrum, kalt, warm und neutral, machen Bilder interessant.

Ein warmer Hintergrund bei kalter Farbe:

Was passiert, wenn man in einem Bild großflächig mit kalten Farben malt, haben wir oben an dem Beispiel mit den kleinen Auto gesehen.
Hätte ich hier einen blauen Himmel gewählt, wäre keine warme Abendstimmung entstanden, sondern ein Bild, das an ein Aquarium erinnert hätte.
Der großflächige Auftrag von Orange im Hintergrund sorgt für eine freundliche Stimmung im Bild.
Praxistipp: Das Gegenspieler-Prinzip, Kaltes wird durch Warmes belebt und umgekehrt!
Das sieht man auch hier wunderbar, der warme rot-orange Kern des Bildes wird von kälteren Tönen umrahmt.

Variation:

Das Auge hat Zapfen. Wenn wir ein Bild ohne Licht und Schatten betrachten, dann wirkt dies für uns flach. Ganz ähnlich ist dies, wenn wir nur in einer Farbtemperatur arbeiten. An dem Bild des Kleinwagens sehen wir, dass das Bild auf uns uninteressant und flach und entfernt wirkt, wenn alles Blau erscheint. 
Schaut euch einmal dieses Bild an, ich habe die Rottöne herausretuschiert. So ein Bild nennt man monochrom oder analog, sprich, es ist weitgehend in einer Farbe gemalt. Fehlen starke Hell-und-Dunkel-Kontraste kommt die Skizze schwer in Schwung. Das Auge wird nur mäßig angesprochen.
Fügt man jedoch eine Spur der Komplementärfarbe hinzu, wird das Bild gleich lebendiger.
Ein riesiger Unterschied, oder?

Praxistipp für monochrome Bilder:
Bei monochromen Bildern muss man darauf achten, dass das Weiß nicht verschwindet.
Es ist sehr hilfreich, viele verschiedene Tonwerte und die Farbe stark in Kalt und Warm zu variieren.
Ein kleiner Hauch der komplementären Farbe bringt Leben ins Spiel.

Der Gegenspieler:

Das Gegenspielerprinzip ist wirklich sehr praktisch, deshalb arbeite ich gerne und viel damit.  Es gibt ein Bild von Mutter Theresa und Lady Di, die eine krumm, klein und faltig, die andere strahlend, groß und geschminkt. Ein tolles Foto, das den Gegensatz raffiniert nutzte. Der Gegensatz ließ die Unterschiede extrem augenfällig werden. Das Prinzip kann man auch bei der Farbtemperatur nutzen, weil das Auge vergleicht.

Praxistipp: Wird das Bild weitgehend in einem Farbtemperaturbereich gemalt, tut es dem Bild enorm gut, den Hintergrund im anderen Farbtemperaturbereich zu gestalten.

Hier wird der Gegenspieler etwas anders gemalt. Eine Farbtemperatur umzingelt die andere.

Praxistipp: Kalte und warme Farben so anordnen, sodass das Auge die Unterschiede nicht ignorieren kann.

Jeder Blog braucht einen Tag Arbeit, wenn du mithelfen möchtest:



Wer mehr über den technischen Hintergrund erfahren möchte, ist in diesem Wikipedia Artikel über Farbtemperatur gut bedient:

https://de.wikipedia.org/wiki/Farbtemperatur

weiterlesen bei Tine:

Die Farbstimmung im Rausch der Farben

Selbstbau Malstaffelei für Aquarell und usk

Hallo ihr Lieben letzte Woche hatte ich einen tollen Kurs! Menschen Malen! Es wurde viel gelacht! So einen schnellen Kurs hatte ich noch nie!

Leider habe ich mir eine Lebensmittelvergiftung geholt, deshalb hier noch ein Tipp zur Selbstbau Malstaffelei

 


Das perfekte Atelier  unter der Sonne


Draußen arbeiten ist toll, wer einmal infiziert ist, der macht es immer wieder.

Wunsch und Wirklichkeit: Wer schon mal Zeichenmaterial mitgeschleppt hat, der weiß, es wird auf Dauer fürchterlich schwer.

Aquarell- Staffeleien sind oft  fürchterlich unpraktisch, weil viele Modelle aus Holz oder mit Holzkoffern ausgerüstet sind. Man kann häufig keine Skizzenbücher einspannen, weil die Staffeleien dafür ausgelegt sind, dass man mit Papier auf Brettern aufgeleimt arbeitet. Mal ehrlich, wer will das quer durch die Stadt schleppen? Es gibt natürlich auch tolle Alu -Staffelein.


Wie sähe die traumhafte optimale Staffelei aus?


♦ super leicht, kann man mit einer Hand tragen

♦hat Platz für alles was wir brauchen: Pinsel,Stifte, Lappen und Farbkasten

♦ super preiswert

♦ kann man auch mit Skizzenbüchern oder Papierblöcken benutzen


OK! Die Malstaffelei könnt ihr haben


Wahrscheinlich können wir sie aus dem Kram bauen, den Zeichenfreaks sowieso Zuhause in der Ecke stehen haben….

Diese Malstaffelei basteln wir mal eben.


Was brauchen wir?


Ein leichtes Fotostativ

♦ Eine normales Stativ für den Fotoapparat haben die meisten wahrscheinlich in der Ecke liegen und benutzen es selten. Gibt es im Ebay gebraucht für 1 Euro oder neu ab 15 Euro. Achte auf stabile aber leichte Ausführung.

Ein leichtes Brett

Tine Klein Tutorial Selbstbau Staffelei Urban Sketching

♦ Ein Brett, am besten kein Riesiges, denn das Brett muss einfach nur das Skizzenbuch stabilisieren. Meines ist in etwa 50 mal 15 cm und damit deutlich kleiner als mein Lieblingsskizzenbuch.

klein damit es prima in die Tasche passt

Am besten klappt es mit Pappel oder Birkensperrholz, da diese Hölzer super leicht sind und man bekommt sie in jedem Baumarkt. 0,8 mm Dicke müssten reichen und Pappelholz ist wirklich extrem leicht.

leicht ist sehr wichtig

Papierklemmen sind Multitalente

Tine Klein Tutorial Selbstbau Staffelei Urban Sketching Papierklemmen

Papierklemmen hatt jeder Zeichenfreak, kosten 4 Stück im Ebay 1 Euro

Multifunktional ist das Stichwort, die Klemmen dienen als Fixierung des Skizzenbuchs und der Aquarellpalette, gleichzeitig als Pinsel und Stifthalter

Konservendose

♦ 1-2 Konservendosen…oder abgeschnittene PE-Flaschen am Rand mit Hammer und Nagel ein Loch für die Aufhängung schlagen

weil es leicht, stabil und kostenlos ist

Tipp nimm 2 Konservendosen die ineinander passen das spart Platz in der Tasche…

 

Kleine Fleischerhaken

Gibt es im Baumarkt oder Ikea. Im Moment suche ich noch eine leichtere Lösung…evtl.Plastikhaken vom Duschvorhang, damit ich alles was ich liebe praktisch aufhängen kann.

Eine Leiste mit Löchern

Ich hab meine von einer alten Spülmaschine abgeschraubt. Ihr müsst irgendwo eine Leiste mit Löchern finden die ganz leicht ist und klein. Die steckt ihr dann quer durch das Dreibein des Stativs

Plastikkasten

Ich bin von Metallkästen auf Plastikaquarellkästen umgestiegen, der Gewichtsunterschied ist Wahnsinn. Den leichten Plastikkasten mache ich einfach mit Kabelbinder und Papierklemmen an der Leiste fest.

Beutel

Zum verstauen des ganzen Krams; ein kleiner reicht, der Kleinkram wird in den Dosen transportiert. Die ineinandergesteckten Dosen und und der Kasten müssen in den Beutel passen.


Wie macht man die Platte am Stativ fest?


Da gibt es zwei Möglichkeiten

Du musst diese Schnellwechselplatte am Brett befestigen.

Die Eine ist:

Eine neue Schnellwechselplatte für dein Stativ kaufen und einfach ans Holz anschrauben oder kleben: Eine Schnellwechselplatte ist die kleine Platte die du in dein Stativ klemmst. Kosten ca 10-20 Euro. Der Vorteil ist, du kannst die Zollschraube entfernen und mit einer ganz normalen Holzschraube die Wechselplatte ans Holz schrauben.

Unterlegplatte für ein Selbstbau Malstativ

 

Eine Unterlegplatte nicht vergessen! die meisten Schrauben sind länger als unser Brett dick ist! Das verhindert das Durchschrauben.

Willst du ein Brett das man von deiner Stativplatte entfernen kann, wird es leider richtig kompliziert! Eine Aufschraublösung muss her!


Das Problem mit den Zollschrauben!


Kameraschrauben sind genormt, es sind 1/4 zöllige Schrauben. Leider passen diese Schrauben und Gewinde nicht richtig in die bei uns gängigen Schrauben und Gewinde….Mann kann sie nur mit Gewalt in die deutschen Gewinde M5 bekommen. Deshalb ist es sinnvoll bei eurer Platte die Schraube zu wechseln, diese Schraube muss ja ins Holz oder ins Gewinde und nicht in die Kamera.

Fachchinesisch im Metallwarenbereich

Könnt ihr die Zollschraube austauschen, sucht nach einer Schraube mit passender Flansch mit Befestigungslöchern und Innengewinde. Der Flansch sieht so aus:

Tine Klein Tutorial Selbstbau Staffelei Urban Sketching

Dieser Flansch mit Schraube sorgt dafür das ihr das Brett einfach auf die Fixierplatte schrauben könnt.

Anmerkung von der Redaktion: Das herauszufinden hat mich graue Haare gekostet. Danke an die Maler und Graphiker Alex Beck und Johannes Esser, die die Lösung gefunden haben. Auf jeden Fall in der Metallwarenabteilung beraten lassen. Die Lösung kostet nur wenige Euro oder Franken.

Wenn die Schraube in eurer Fixplatte festmontiert ist,  dann darf man sich ins Wunderland des englischen Metallbau Fachchinesisch stürzen:

Ich habe meine erste Schraube von Monika Baum geschenkt bekommen und habe dann ewig nach Ersatz gesucht: die richtige englische Vokabel ist: Round Base Tee Nut, es scheint noch einen anderen gängigen Begriff zu geben brad hole tee nut 

Ich hab für meine Schraube 2,50 Dollar bezahlt, das Problem ist das man sehr genau recherchieren muss welche auf deine Schraube passt.


Einfache Lösungen


Mein Tipp einfach mal im englischen oder amerikanischen Ebay oder Amazon stöbern…dort gibt es haufenweise fertige Umbausätze für Stative zu kaufen:

Alles was ich rausgesucht habe ist nur exemplarisch man findet noch viele andere tolle Dinge.

 


Fazit zur Selbstbau Malstaffelei


Hört sich kompliziert an, aber der Umbau meines Statives hat aber nur wenige Minuten gedauert und mit Brett nur ca 20 Franken, 15 Euro gekostet. Wirklich wichtig ist das kleine Unterlegbrettchen, damit man nicht durchschraubt und nichts wackelt!

Meine Staffelei ist so leicht das man sie einfach mit einer Hand trägt, ich finde der Kampf mit dem Fachchinesisch hat sich gelohnt.

Das mit den passenden Schrauben für die Stativplatte  der Selbstbau Malstaffelei nervt! Wechselstativplatten sind jedoch preiswert. Ich habe einmal gesehen, dass jemand seine mit einem spezial Klebstoff auf Plexiglas geklebt hat.


Bitte zeigt uns Eure Selbstbau Malstaffelei- Lösungen!


Ganz herzliche Grüße an alle Maler, Zeichner, USK ler, Andersartige und Verrückte

Ich freue mich wenn Ihr den Artikel teilt.

Ganz herzliche Grüße Tine

https://blog.herz-der-kunst.ch/kleines-marschgepaeck-reisekunstmaterial/

Kleines Marschgepäck Reisekunstmaterial

 

Pen and Ink – Tinte im Aquarell

Tine Klein Aquarell und Tinte, Pen and Ink Tutorial von Tine Klein deutschsprachig. Ort kartause Ittingen in der Schweiz

Unterwegs im Garten der Kartause Ittingen im Duft der Thymian -Kräuter-Spirale mit Claudia. 

Pen and Ink:

Pen and Ink, eine Entwicklung, die auf den Bedürfnissen der Menschen basiert.
 
Für viele Menschen ist der Stift das wichtigste Kunstmaterial. Auch wenn es um das Malen geht, möchten sie sich nicht vom Stift lösen, zumindest zum Vorzeichnen. Aus diesem Grund wundert es nicht, dass gerade Kunstrichtungen, die auf dem Stift basieren, populär geworden sind.

Pen and Ink ist ein Modebegriff geworden, übersetzt heißt es Tinte und Stift. Oft wird der Begriff aber für die Kombination von Zeichnung, Tinte und Kolorierung benutzt, weil Illustratoren sehr gerne mit leuchtenden Tinten kolorieren.

Und genau darum geht es heute:

Kolorieren in Kombination mit farbiger Linie

Ob man dabei einen Füllhalter benutzt oder einen Stift, ist reine Geschmackssache. Denn wenn man von Pen and Ink spricht, geht beides, denn auch in ganz normalen Finelinern, also im weitesten Sinne Filzstiften,  steckt Tinte.

Am leichtesten bekommt man schwarze Tinte und schwarze Stifte. Die Suche nach anderen Farben lohnt sich, weil ganz andere Effekte entstehen.

Im heutigen Blog möchte ich darauf eingehen, was sich verändert, wenn man eine andere Tintenfarbe benutzt, und welche Farben sinnvoll sind.

Farbige Tinten und Stifte:

Wenn man einen Stift kauft, muss man sich der Qualitätsunterschiede bewusst sein. 

Man kann mit normalen Stiften aus dem Kaufhaus super zeichnen,  und in den meisten Fällen werden diese Stifte im Skizzenbuch auch völlig ausreichen. Doch will man mit einem handelsüblichen Filzstift kolorieren, kann es zwei Probleme geben:
 
  • Die Tinte im Stift ist nicht lichtecht und verblasst schnell, wenn man das Bild an die Wand hängt. Im Skizzenbuch macht solch ein Stift keine Probleme, kommt ja kein Licht dran.
  • Der Stift ist nicht wasserfest, beim Kolorieren entsteht eine hässliche  grauschwarze Matsche, sobald Wasser ins Spiel kommt.
 
Will man also eine Zeichnung im Nachhinein kolorieren, empfiehlt sich dann doch, zu den teureren Kunstmaterialien zu greifen. Und diese bekommt man dann, wenn man farbige Produkte möchte, nur noch im Spezialgeschäft oder per Onlineversand. Gerade die farbigen, lichtechten und wasserfesten Stifte und Tinten bekommt man nicht im Schreibwarenladen um die Ecke.

Pen and Ink, der richtige Stift:

Pen and Ink, der richtige Stift:
 
Im Kunstgeschäft gibt es einige geeignete Stifte. Gute Erfahrungen habe ich mit Copic, Micron und Faber Castell gemacht. Gerade weil hier auch farbige Stifte erhältlich sind, die wasserfest sind und sich super für die Kombination mit Aquarellfarben eignen.
 
Für Füllhalter gibt es mittlerweile  eine ganze Reihe von wasserfesten Tinten in den wildesten Farben, zum Beispiel:
 
Noodlers
Rohrer und Klinger
Sketchink
de Atramentis
 
Summary: Der Farbvielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Immer nach lichtechten und wasserfesten Produkten fragen. Und Vorsicht! Immer selber im Onlineversand recherchieren, denn Verkäufer haben oft selbst noch nie gemalt!

Die Tintenfarbe ist entscheidend für den Effekt des Pen and Ink:

Dass Farbe den Ausdruck und die Stimmung von Bildern verändert,  ist natürlich bekannt,  aber wie verändert die Farbe des Striches Bilder?

Am einfachsten bekommt man schwarze Tinte. Doch schauen wir uns mal an, welche Unterschiede durch unterschiedliche Tintenfarben entstehen.

Schwarze Tinte:

Tine Klein tutorial Pen and Ink zu unterschiedlichen Tintenfarben. Illustration Basel am Totentanz

Bei Pen and Ink wird am häufigsten schwarze Farbe benutzt.

Das Arbeiten mit schwarzer Tinte ergibt den stärksten Farbkontrast. Es entstehen sehr starke und eindrucksvolle Bilder, bei denen man sehr gezielt Kontraste einsetzen kann.

Meistens sehen Zeichnungen mit schwarzer Tinte sehr graphisch aus.

Vorteile der schwarzen Tinte sind:

  • Farben beginnen zu leuchten.
  • Die Zeichnung ist klar erkenntlich.
  • Gute Kontraste.
  • Leicht zu kopieren und zu drucken.

Nachteile der schwarzen Tinte bei Pen and Ink in Kombination mit Wasserfarbe:

  • Ungeduld ist tödlich für die Farbe: Ist die Tinte noch nass,  entstehen hässliche graue Farben
  • Die Bilder sehen meist wie Zeichnungen aus, denn der schwarze Stift ist absolut dominant.

Und nun wollen wir endlich zu den wunderbaren Möglichkeiten der farbigen Tinte schielen!

Pen and Ink- Farbige Tinten :

Hast du schon mal ausprobiert, was mit deinen Zeichnungen passiert, wenn du eine andere Tintenfarbe benutzt?

Ich liebe andere Tintenfarben, weil die Effekte, die im Zusammenklang von Farbe und Strich entstehen, völlig anders sind als bei schwarzer Farbe.

Der erste und absolut entscheidennde Unterschied ist, dass man farbige Tinte mit der Aquarellfarbe mischen kann. Man muss nicht warten, bis die Tinte trocken ist. Auch wasserfeste Tinte ist wasserlöslich, bis sie ausgetrocknet ist,  und so kann man die Tinte in das Aquarell hereinschmelzen lassen. Das wirkt weicher und erinnert an Malerei.

Pen ans Ink – Bilder mit farbiger Tinte sehen aus wie Aquarelle. Der entscheidende Unterschied ist die Verbindung von Zeichnung und Koloration.

Tine Klein Pen and Ink, farbige Tinten tutorial deutsch

Man kann selbst entscheiden, ob es eher ein Bild oder eher eine Zeichnung sein soll. Das sieht man hier bei der blauen Tinte gut. Es gibt mit farbigen Tinten eine Vielzahl an neuen  Möglichkeiten. In diesem Bild verschmilzt die Tinte soweit mit dem Aquarell, so dass sich die Zeichnung in das Aquarell ganz harmonisch einfügt.

Welche Farbe die richtige ist, hängt ganz von deinem Farbgeschmack ab. Es gibt kein richtig oder falsch. Trotzdem kann man ein paar Tipps geben. Diese Tipps beziehen sich auf das Arbeiten mit Aquarellfarben.

Blaue, blaugraue oder violette Tinten:

Blaue Tinte integriert sich als Schattenfarbe,

deshalb verschmelzen Blautöne wunderbar mit Aquarellen.

Die Zeichnung wird als “natürliche” Schattenkante wahrgenommen, deshalb gehört sie natürlicherweise zum Objekt. Dieser Effekt verschwindet, wenn die Tinte zu leuchtend ist, denn dann nimmt der Betrachter die Zeichnung wieder deutlich wahr.

Blau: Kühl, aber harmonisch und perfekt.

Braune Tinte:

Wie ihr wisst, liebe ich braune Tinte. Die Kontraste der braunen Tinte sind nicht so hart wie bei schwarzer Tinte.

Tine Klein Pen and Ink, farbige Tinten tutorial deutsch

Läuft braune Tinte in Aquarellfarbe, wird sie nicht grau, sondern ein bisschen shabby.

Die Farben bekommen einen “Vintage Look”. Ich benutze sehr gerne leuchtende Farben beim Kolorieren. Durch die braune Farbe wirkt die Farbe nicht grell, sondern harmonisch.

Braune Tinte gibt den Vintage oder Leonardo Look.

Ein bisschen shabby ist auch schick:

Pen and Ink und Aquarell ein paar Tipps zur Tintenfarbe.

Braun wirkt entweder altmeisterlich oder ein bisschen shabby und retro. Braun dämpft beim Pen and Ink Farben harmonisch.

Rote Tinte:

Rote Tinten sind wunderbar für freche Kontrast- Zeichnungen oder als Signalfarbe für Verkehrslichter oder Schilder. Doch weit gefehlt, wer glaubt, rote Tinte könnte sich nicht sanft und harmonisch in Aquarellfarben einfügen..
 
Bordeauxfarbene Tinten integrieren sich wunderbar in Naturtöne. Besonders Bilder, in denen Siena, gebrannter Ocker, Caput mortuum verwendet werden, wirken durch rötliche Tinten belebt und intensiviert.
Tine Klein, Kartause Ittingen in der Schweiz, Urban Sketch von Tine Klein, Aquarell und Tinte, Pen and Ink
 
In diesem Bild wurde mit der roten Sketchink, einem dunklen Rot, gearbeitet.
 
Doch Achtung,  rötliche Tinten brauchen Trockenzeit, wenn mit Grün koloriert wird, sonst entsteht der gleiche Effekt wie bei schwarzer Farbe.
Signalfarbe Rot: Signalfarbe oder harmonische Belebung.

Orange,gelbe und grüne Tinten:

Leuchtende und auffällige Farben eignen sich prima für Illustratoren. Überall da, wo man Aufmerksamkeit erzeugen will. Einige dieser Farben verschmelzen, aus den unterschiedlichsten Gründen, nicht gut mit Aquarellen.
 
Grüne Tinten sind optimal für Landschaftsbilder, in Häusern wirkt diese Farbe jedoch wie ein Fremdkörper.
 
Grelle,  leuchtende Farben lenken die Aufmerksamkeit wieder auf die Zeichnung. Orange Tinten ziehen Aufmerksamkeit, deshalb ist es schwer, sie zu integrieren. Es sei denn,  man vermalt sie gleichzeitig mit Wasser.
 
Gelbe Tinten:  Ich habe eine goldgelbe Tinte, die ich sehr liebe, ich male mit ihr, doch zum Zeichnen taugt sie nicht, denn die Hauptaufgabe der Linie ist der Kontrast. Wird die gelbe Tinte mit dunkler Farbe übermalt, verschwindet sie schnell.
Merke: Zu helle Farben geben zu wenig Kontrast. Zu leuchtende Farben bleiben immer Signalfarben.

Mehrere Tintenfarben können zusammen überraschende Effekte erzeugen:

Ein Pen and Ink mit Blau, Braun und Schwarz.

Tine Klein Pen and Ink, farbige Tinten tutorial deutsch

Hier mal ein Beispiel mit oranger Tinte. Hier soll und darf sie Aufmerksamkeit ziehen.

Allerdings wird die Tinte sehr ruhig mit brauner und schwarzer Tinte kombiniert.

Das Symposium der Urban Sketchers Aquarell Skizze aus der Skybyr Blue in Amsterdam von Tine Klein arbeiten mit Pen and Ink

Abschließend kann mann sagen,  dass Tintenfarben viele neue Möglichkeiten eröffnen. Auch die Kombinationen eröffnen tausend neue Möglichkeiten.

Mich würde interessieren,  ob es jemanden gibt,  der regelmässig grüne oder gelbe Tinten einsetzt.

Wenn ja, postet mal ein Beispiel!

Liebe Grüße

Tine

Kurs Info:

Im nächsten Kurs geht es um Farbwelten. Aarberg ist leider schon ausverkauft.

FARBSTIMMUNG, FARBKLANG UND EMOTIONEN

In diesem Kurs steht die Farbe im Mittelpunkt! Von abstrakter Farblandschaft bis gegenständlicher Aquarellkolorierung. Bilder werden gut, wenn die Farbe Menschen anspricht. Es geht im Kurs nicht um die realen Farben, sondern wie man Stimmungen und Emotionen in beeindruckende Farbwelten umsetzt. Wie wirken Farben? Wir lernen das Mischen von Farbharmonien und Farbklängen. Sanftes Abendrot, Ferne, griechisches Blau oder weiches Licht ist alles eine Frage des Farbklangs. Nach diesem Kurs können Sie mischen sowie spontan und frei mit Farbe arbeiten.

 

https://www.boesner.ch/niederlassungen/unterentfelden/veranstaltung/farbstimmung-farbklang-und-emotionen

https://www.boesner.ch/niederlassungen/muenchwilen/veranstaltung/farbstimmung-farbklang-und-emotionen

 

Weiterlesen über Tinten:

https://blog.herz-der-kunst.ch/total-verrueckt-nach-tinte/

Total verrückt nach Tinte!

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Dokumentenechtheit

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Figürlich Malen, lässt die Puppen tanzen!

Story zum Bild: Ein bisschen Wehmut, Abschied vom Zürichsee, ein letztes Mal am Wasser beim Segelverein in Stäfa.

Mein Umzug ist vorbei!  Falls noch jemand mit geschlossenen Fitnessstudios hadert, ich empfehle eine Kiste voll Papier und eine ellenlange Treppe!

Also Tipp eins: Aquarellpapier kann auch als Feinmessgerät fungieren!

Die gute Nachricht! Ich kann jetzt mit den Oberschenkeln Nüsse knacken! Na ja, vielleicht keine Kokosnüsse, aber Erdnüsse! Die schlechte Nachricht, es macht zu schlapp zum Malen.

Was haben mir die Menschen gefehlt!

Der Mensch ist nicht für Käfighaltung gemacht! Wenn ich am Rhein entlang fahre, dann sehe ich, wie glücklich die Menschen über die Lockerungen sind.

Hinauf zu meinem Balkon schalt das leise Lachen der Menschen, ein Geräusch von zusammen sein, Gemütlichkeit und Freude. Wer hätte gedacht, dass so etwas Normales einmal besonders wird? Deshalb eine Einladung zum figürlich Malen.

Menschen Malen ist im Prinzip einfach:

Menschen Malen ist nicht schwer, darüber berichtete ich bereits.  Doch trotzdem ist und bleibt es für viele ein Horror-Thema. Eigentlich nicht verständlich, denn es gibt viele Möglichkeiten um sich dieses Thema zu versüßen und es zu erlernen.

Heute:  Die Schulter lässt die Puppen tanzen

Figürlich Malen: Eine der wichtigsten Methoden für das  ist die Einfachheit.

Bevor man anfängt, sollte man sich locker machen. Keine Ahnung, wie ich meinen Schülern klar machen soll, dass man all die Dinge von denen man Angst hat nicht braucht.

Vielleicht sollte ich sie vor den Malen, einen fetten Joint rauchen lassen und sie dann animieren ums Feuer zu tanzen und laut zu singen, ich brauche das alles nicht!

Ah Moment, das ist dann vielleicht doch eher was für eine Sektenveranstaltung! Die sind ja zu diesen Zeiten Superspreader, gar nicht  gut.

Wenn wir aber ums Feuer tanzen würden, dann würde ich sagen:”Achte  auf die Schultern!” Die würden die ganze Zeit auf und abhüpfen.

Immer dann wenn sich ein Beim vom Boden lösen soll, bewegt sich zuerst eine Schulter nach oben!

Figürlich Malen für Aquarelle, Urban Sketchings

Heute werde ich euch das Malen beibringen, durch die gute Silhouette. Die Silhouette wird  durch die Schulter bestimmt.  Wer schon mal versucht hat Menschen zu zeichnen, der stellt ganz schnell fest, dass dies chaotischer enden kann, weil ein Mensch aus sehr vielen Bauteilen besteht. Damit machst du dir das Leben unnötig schwer, denn das Gehirn achtet auf andere Dinge!

Zum Beispiel die Stellung der Schultern, wir lesen dadurch was der Andere macht.

Strichmännchen in Aktion:

Die Schulter des Menschen ist ständig in Bewegung. Sie zeigt uns, was los ist.

Hier mein Haupttipp für das figürliche Zeichnen:

Eine schräge Schulter, zeigt Aktion und macht Figuren lebensecht.  Aber oft erkennt man das nicht auf Anhieb. Benutze einen Stift um deinem Auge den Winkel klar zu machen! Achte dabei auch noch auf das  Becken.

Figürliches Malen und Körperhaltungen erkennen:

Aktionen zeigen durch die Schulter,  manchmal reicht ein bisschen.

Figürlich Malen, die Schulter lässt die Puppen tanzen! Tutorial deutsch. Worauf es beim menschen malen ankommt.

Das Paar schaut auf das Wasser. Er sagt etwas und lehnt sich ein wenig zu ihr.

  • Ein guter Tipp für Zeichner, beim Sprechen neigen sich die Schultern zueinander. Wie man im Bild sieht, ist das gar nicht viel, eine kleine Neigung reicht um es Aussagekräftig zu machen. Wenn wir nicht darüber sprechen würden, würdest du diese Neigung nicht sehen.

Es gibt aber noch weitere Tricks wie man bei, figürlichen Zeichnen  die Schulter einsetzt.

  • Etwas schiefe Schultern plus ungleichlange Beine erzeugen sofort das Gefühl das die Person geht. (Schau dir die linke Gruppe an.)

Am besten sieht es aus wenn man ein Bein einfach kürzt, oder sich die Beine unten kreuzen, dann bekommt man das Gefühl von einen Fuss vor den anderen setzen. Auch der ältere Herr, in der Mitte, der den Berg herab geht, setzt einen Fuß vor den anderen. Seine Schulter ist geneigt, denn er geht.

Tipps und Tricks figürlich Malen Tine Klein, Tutorial deutsch

  • Je schräger sie Schulter desto dynamischer und schneller die Gangart.

Schau dir mal die recht Figur der linken Gruppe an, die läuft geschwind durch die starken Winkel von Schulter und Hüfte.

Der häufigste Fehler beim figürlichen Malen:

Merke: Fatal sind gerade Schultern in Kombination mit sehr geraden Beinen. Dann sieht die gemalte Figur schnell aus wie ein Kastanien – Männchen. Eine Figur die so im Bild steht, ist kaum noch zu retten, weil sie nach Kinderzeichnung ausschaut.

Auch wenn wir stehen, spielen wir mit den Beinen. Knicke oder leichte Krümmungen , sogar O-Beine, sind besser als ganz gerade Beine. Warum?

Figürlich Malen, die Schulter lässt die Puppen tanzen! Tutorial deutsch. Worauf es beim menschen malen ankommt.

Klar gibt es auch Körperhaltungen wo der Körper vom Menschen zentriert wird. Wir verlagern unser Gewicht auf beide Beine wenn wir angegriffen werden. Oder wenn wir angespannt sind, das nennt man “stramm stehen”.

Vergleich mal die beiden Bilder die Stimmung ist anders, wenn die Schulter gerade ist.

Diese Körperhaltungen geben deinem Bild keine schöne Stimmung. Ein enspannter Mensch spielt und bewegt sich.

Was sind die wichtigsten Tipps ?

 

Oft ist es ein guter Trick, Schultern und Hüften eine leicht gegenläufige Stellung zu geben.

Das sieht man prima bei dem älteren Herren in der Mitte. Diese Stellung ist gerade in Bewegung extrem Aussage kräftig! Wo wird figürlich Malen einfach!

Schulter und Hüfte bilden ein Dreieck. Gegenläufig!

Der Winkel macht die Bewegung:

Schau dir mal die Gruppe an. Die Menschengruppe ist eigentlich ein Witz. Drei Passanten verschwimmen zu einem Klecks. Trotzdem begreift das Gehirn ganz genau das dies Passanten sind. Warum ? Die Grundhaltung simmt.

d.H. ein Winkel ist sichtbar

Man sieht bei der linken Person in der Gruppe den schrägen Hosenbund und das Spiel der Beine. Das reicht dem Gehirn als Information. Das Gehirn liebt solche Bilder, denn es macht ihm Spass nach Mustern zu suchen und sie zu erkennen. Das ist der Grund warum super genaue Bilder oft nicht so beachtet werden wie leicht Abstrakte. Der Spassfaktor für das Gehirn fehlt!

Figürlich Malen, die Schulter lässt die Puppen tanzen! Tutorial deutsch. Worauf es beim menschen malen ankommt.

 

Tipp, lass Schultern, Hüften und Beine schwingen.

Die Vielfalt macht lebendige Bilder.

Ich wünsche euch viel Spass, das Wochenende soll ja wieder sonnig werden.

Die ideale Zeit um Menschen mit Genuss zu beobachten.

Falls dir das alles zu Hoch ist. Hier ist der Blog für Anfänger! Die einfachste Methode um Menschen zu zeichnen:

https://blog.herz-der-kunst.ch/menschen-zeichnen/

Menschen zeichnen

Weiterlesen bei Tine alles rund um den Menschen:

https://blog.herz-der-kunst.ch/menschen-malen-einfacher-als-gedacht/

 

Menschen malen einfacher als gedacht